Komplettrestaurierung der Lütkemüller-Orgel kurz vor Abschluss

Kantor Nitsch: „Ein historischer Moment“

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Hartmut Beyer (l.) und Klaus-Michael Schreiber haben in der vergangenen Woche den letzten Bauabschnitt an der Lütkemüller-Orgel in St. Petri in Seehausen in Angriff genommen.

Seehausen. Das Werk ist bald vollbracht: Nach über 20 Jahren Restaurierungstätigkeit ist die altehrwürdige Lütkemüller-Orgel in der Seehäuser Petri-Kirche ab Ende nächster Woche vollkommen saniert.

Seit etwa zehn Tagen sind Hartmut Beyer und Klaus Michael Schreiber von der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke dabei, die sichtbaren Pfeifen im Prospekt an der Schauseite der Orgel anzubringen. Die originalen Zinnpfeifen wurden übrigens 1917 zu Kriegszwecken demontiert und eingeschmolzen. Danach kamen minderwertige Zinkpfeifen hinein.

Die Gesamtkosten für den letzten Bauabschnitt belaufen sich auf rund 98 000 Euro, eine Summe, die die Kirchengemeinde alleine nicht hätte stemmen können. So kamen für den letzten Restaurierungsabschnitt finanzielle Beihilfen von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt und von Stiftungen. Einen nicht gerade geringen Eigenanteil musste auch die St.-Petri-Gemeinde aufbringen. Kantor Friedemann Nitsch, sozusagen Herr über die Orgel, sprach gegenüber der AZ von „gut 27 000 Euro“. Not macht bekanntlich erfinderisch. Um die Eigenmittel aufbringen zu können, sind die evangelischen Christen auf Spenden angewiesen. So wurde eine Liste mit allen Prospektpfeifen ausgelegt. Spendenwillige konnten sich daraus eine Pfeife aussuchen und „erwerben“. Die Aktion hat sich als echter Renner erwiesen. Circa 22 000 Euro konnten dadurch eingenommen werden. Der Differenzbetrag für den Eigenanteil wird mittels eines Kredits abgedeckt.

Kantor Friedemann Nitsch spricht kurz vor dem endgültigen Abschluss der Restaurierung von einem „historischen Moment“. Zwar habe es vor der politischen Wende nicht an Initiativen gefehlt, um die Königin der Instrumente, 1867 von Friedrich-Hermann Lütkemüller erbaut, auf Vordermann zu bringen, doch war das zu DDR-Zeiten schwierig, schildert Kirchenmusiker Nitsch. Der Abschluss der Arbeiten wird mit einem großen Konzert am Sonnabend, 13. September, ab 19.30 Uhr in St. Petri gefeiert. Barry Jordan wird dann auf der Orgel spielen. Derzeit erarbeitet Friedemann Nitsch über die Geschichte des einzigartigen Instruments eine Festschrift.

Von Thomas Westermann

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