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Kampf gegen Lehrermangel: Rektor aus Seehausen bringt Vorschläge ein

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Von: Thomas Westermann

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Das Tor zur Seehäuser Gemeinschaftsschule „Johann Joachim Winckelmann“ steht offen, aber es schreiten dort zu wenige Lehrer hindurch. Foto: Westermann
Das Tor zur Seehäuser Gemeinschaftsschule „Johann Joachim Winckelmann“ steht offen, aber es schreiten dort zu wenige Lehrer hindurch. Foto: Westermann © Westermann, Thomas

Der Lehrermangel und der damit einhergehende Unterrichtsausfall an der Gemeinschaftsschule „Johann Joachim Winckelmann“ in Seehausen und weiteren Schulen soll gravierend sein.

Seehausen – Dagegen gab es jüngst eine Demonstration in Osterburg unter Federführung von Kurt Wohlfahrt, seines Zeichens Vorsitzender des Elternrates der Lernstätte.

Während der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderates Seehausen beschlossen die Kommunalpolitiker, die Magdeburger Erklärung „Die Bildung unserer Kinder geht uns alle an!“ zu unterstützen. Vertreter aus Politik und Schule der Stadt Magdeburg, sowie Vertreter der Handwerkskammer Magdeburg und der Industrie- und Handelskammer Magdeburg fordern mit der Erklärung eine Auseinandersetzung mit den akuten Problemen der Unterrichtsversorgung in Sachsen-Anhalt. Dazu wurde ein Forderungskatalog mit zehn Maßnahmen erstellt.

Sorgen um den Unterrichtsausfall macht sich auch Sekundarschulrektor Rolf Schümer aus Geestgottberg. „Schon wieder Unterrichtsausfall: Fast täglich kommen die Kinder oder Jugendlichen mit dieser Nachricht nach Hause. Groß sind die Sorgen, wie die schulischen Abschlüsse erzielt werden können, die den Weg ins Berufsleben ebnen. Und der Lehrermangel ist nicht nur ein aktuelles, sondern auch ein strukturelles Problem, da in den nächsten Jahren eine Pensionierungswelle die Lehrerzimmer erfassen wird. Gefragt sind also sowohl kurzfristige als auch längerfristige Maßnahmen“, meint der Altmärker und macht Vorschläge für kurzfristige Abhilfe. Die Einführung eines Praxissemesters für Lehramtsstudenten, das kein Geld koste, könne sehr schnell eingeführt werden durch eine entsprechende Änderung des Studiengangs. Die Lehramtsstudenten erteilen dann eine bestimmte Anzahl von Wochenstunden eigenverantwortlichen Unterricht. Acht bis zwölf Wochenstunden wären sinnvoll und machbar. Das würde bundesweit eine Anzahl von ungefähr 25 000 zusätzlichen Lehrkräften ergeben. Zudem favorisiert der Pädagoge die Vereinfachung des Seiteneinstiegs in Sachsen-Anhalt in den Schuldienst. Bisher sei eine abgeschlossene Hochschulausbildung Voraussetzung. Es kämen viel mehr Seiteneinsteiger zusammen, wenn das Abitur als Voraussetzung reichen würde, schätzt Schümer ein.

Eine andere Maßnahme sollte die leichtere Anerkennung ausländischer Lehramtsdiplome sein. Diese ist laut Schümer immer noch langwierig und kompliziert. Einfacher wäre es, einem Bewerber mit ausländischem Diplom die Möglichkeit einer sechsmonatigen Probezeit zu geben. Während dieses Zeitraums werde seine fachliche und pädagogische Kompetenz von den anderen Lehrkräften beurteilt und am Ende des Probehalbjahres von ihnen über seinen Verbleib entschieden. Das zuständige Schulamt erhalte dann ein entsprechendes Protokoll.

Und noch einen Vorschlag hat der Geestgottberger. Als eine längerfristig wirkende Maßnahme zur Behebung des Lehrermangels in den Grundschulen könnte die Ausbildung zum Unterstufenlehrer eingeführt werden, wie es in der DDR geschah: Nach der zehnten Klasse erfolgte eine vierjährige Ausbildung für die Klassen eins bis vier. Die Unterstufenlehrer wurden zur Erteilung von Unterricht in Deutsch, Mathematik und einem Drittfach ausgebildet. Für eine solche Maßnahme müsse schnell gehandelt werden, da mindestens ein Jahr Vorbereitungszeit gebraucht werde. Bis die ersten so ausgebildeten Unterstufenlehrkräfte zum Einsatz kommen, vergehen mindestens fünf Jahre. Es wäre aber später die Versorgung in den Grundschulen gesichert.

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