BUND: „Gewässerausbau für Güterschifffahrt schadet Elbe und ihre Auen“

Kampagne: „Rette unser Wasser“

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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Derzeit kann die Elbe wie hier bei Wahrenberg aufgrund des Niedrigwassers von Güterschiffen nicht befahren werden. 

Seehausen. Insgesamt 92 Prozent aller Flüsse und Seen in Deutschland sollen in einem beklagenswerten Zustand sein. Die Elbe, die teilweise durch die Verbandsgemeinde Seehausen fließt, sei einer davon.

Ursachen dafür gibt es laut BUND viele, unter anderem zu viel Dünger und Pestizide aus der Agrarindustrie, Schadstoffe aus dem Bergbau oder Begradigung und Vertiefung vor allem für die Schifffahrt – Grund der akuten Problemlage an der Elbe. Der BUND präsentiert nun seinen Gewässerreport, in dem die Elbe mit vier Beispielen vertreten ist, und startet zeitgleich die Kampagne „Rette unser Wasser“. Das Ziel ist, ein Aufweichen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Rahmen des anstehenden Überprüfungsprozesses auf europäischer Ebene zu verhindern.

„Seit Anfang der 1990er Jahre wird versucht, durch Uferschotterungen die Elbe zu einer nahezu ganzjährig befahrbaren Wasserstraße zu vertiefen, jedoch ohne Erfolg. Statt mehr werden immer weniger Güter dort transportiert. Im Jahr 2017 waren es nur noch 0,26 Millionen Tonnen“, so Iris Brunar vom BUND-Elbeprojekt. „Das aktuelle Niedrigwasser macht es deutlich: Die Elbe ist von extremen, lang anhaltenden Trockenphasen geprägt – ein planbarer Transport auf Schiffen ist nicht möglich. Auch derzeit kommt die Güterschifffahrt bei Fahrrinnentiefen von um die 1,20 Meter zum Erliegen.“

Brunar weiter: Für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie hingegen wurden an der Elbe bisher nur wenige wasserbauliche Maßnahmen realisiert. Dabei stehe viel auf dem Spiel. Die Elbe frisst sich über lange Strecken immer tiefer in ihr Bett – unter anderem in Folge der künstlichen Vertiefung und Einengung des Flussbettes für die Schifffahrt. Damit sinke in diesen Bereichen mit dem Wasserspiegel des Flusses auch der Grundwasserspiegel in der benachbarten Aue. Diese Auenlandschaften seien somit verstärkt von Trockenheit bedroht.

„Dieser Prozess der Eintiefung beschleunigt sich selbst und muss dringend gestoppt werden. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht, denn die Elbe und ihre Auen sind aufgrund ihrer noch relativen Naturnähe ein beliebtes Reiseziel geworden. Damit zahlt sich für die Menschen vor Ort die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie aus“, betont Brunar. Der gute ökologische Zustand, der nach der Wasserrahmenrichtlinie bis spätestens 2027 erreicht sein müsse, sei mit dem Ziel eine nahezu ganzjährig befahrbare Wasserstraße an der Elbe herzustellen nicht vereinbar. Der BUND fordert die Politiker in Berlin und Brüssel auf, die Wasserrahmenrichtlinie so zu belassen, wie sie ist.

Von Thomas Westermann

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