Landwirt sieht Existenz bei Genehmigung eines Innenbereichs gefährdet

Kallmeter: „Das wäre tödlich“

Ein eingeschweißtes Team, das weiter uneingeschränkt an der Hohen Geest wirtschaften möchte (v.l.): Olaf Schramme, Heidrun Kallmeter, Nils Kallmeter, Inga Wrana, geborene Kallmeter, Karlheinz Kallmeter und Bastian Lücke. Foto: Privat
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Ein eingeschweißtes Team, das weiter uneingeschränkt an der Hohen Geest wirtschaften möchte (v.l.): Olaf Schramme, Heidrun Kallmeter, Nils Kallmeter, Inga Wrana, geborene Kallmeter, Karlheinz Kallmeter und Bastian Lücke.

Geestgottberg – Falls Teile der Hohen Geest im Seehäuser Ortsteil Geestgottberg zum Innenbereich werden sollten und die Eigenheimbebauung möglich ist, brechen für den Traditionslandwirtschaftsbetrieb von Karlheinz Kallmeter schwere Zeiten an.

Mehr noch: „Das wäre tödlich“, sagt der Altmärker im AZ-Gespräch.

Für diesen Maschinenstellplatz mit modernster Technik soll eine Überdachung entstehen.

Was ist passiert? Zwei junge Leute wollen auf einem elterlichen Grundstück ein Eigenheim errichten. Dazu muss der Außenbereich in einen Innenbereich umgewandelt werden (die AZ berichtete). Für Landwirt Kallmeter, der den Betrieb mit seiner Frau Heidrun, seinen Kindern Inga und Nils sowie zwei Mitarbeitern führt, wäre das so etwas wie ein Dolchstoß. Betroffen seien der gesamte Wirtschaftshof und die Eigentumsflächen. „Planungsrechtlich wäre es das Aus für jegliche Entwicklung des Landwirtschaftsbetriebs.“ Aufgrund des gegenwärtigen Außenbereichs habe die Landwirtschaft Vorrang. Das bedeute, dass am Tag und in der Nacht uneingeschränkt gewirtschaftet werden könne. „Und das tun wir auch. Wenn Eigenheime vorhanden wären, müsste ich dazwischen Slalomfahren“, kommt bei Kallmeter etwas Galgenhumor durch. Und der Unternehmer weiß, dass sich Bauwillige an der Hohen Geest ihren Traum vom Eigenheim erfüllen können. Unter seiner Führung als ehrenamtlicher Bürgermeister wurde Anfang der 1990er-Jahre dort ein voll erschlossenes Gebiet geschaffen. Die Parzellen belaufen sich auf jeweils 1000 Quadratmeter bei einem Grundstückspreis von 15 Euro pro Quadratmeter, also insgesamt 15 000 Euro. In naher Zukunft möchte der Landwirt einen weiteren überdachten Maschinenstellplatz schaffen. Dort sollen beispielsweise Dünger verladen und Drillmaschinen mit Saatgut befüllt werden. In einem Schreiben Kallmeters an Seehausens Bürgermeister Detlef Neumann steht unter anderem: „Durch Zufall erfuhr ich von Ihrem Vorhaben. 80 Prozent der ausgewiesenen Flächen befinden sich in meinem Eigentum. Mit mir wurde vorher kein Gespräch zu den vorgesehenen Maßnahmen geführt. Keinesfalls werde ich Flächen verkaufen, da sie betriebsnotwendig sind.“

Wird diese Fläche zum Innenbereich erklärt, könnten dort Häuser entstehen. Für die Kallmeters nicht akzeptabel.

Karlheinz Kallmeter blickt nicht ohne Stolz auf die sehr lange Familientradition in der nördlichen Altmark zurück, die bis ins 12. Jahrhundert reicht. Um die Elbe damals einzudeichen, holte Markgraf Albrecht der Bär holländische Spezialisten ins Land. So kamen Kallmeters Vorfahren aus den Niederlanden als Baumeister und Vermesser in die Gegend und wurden für ihre Arbeit mit Land belohnt. Karlheinz Kallmeter, Jahrgang 1955, führt seit der politischen Wende im Jahr 1990 den Hof. Neben den erwähnten Familienmitgliedern wird das Team von den ganzjährig beschäftigten Mitarbeitern Bastian Lücke und Olaf Schramme verstärkt. „Um die Traditionen zu erhalten und fortzuführen, müssen wir weiter wirtschaften können wie bisher“, meint Kallmeter und wünscht sich zukünftig, dass die Hohe Geest als Außenbereich Bestand haben möge. VON THOMAS WESTERMANN

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