Jugendhilfe-Projekt auf Gut Priemern gestartet / Lenz: Selbstvertrauen tanken

Justin schwärmt von Bienen: Erster Honig im Frühjahr

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Imker Hans-Ulrich Pöpel (v.l.) aus Osterburg zeigt Justin (14), Priemern-Geschäftsführer Christoph Lenz und weiteren Interessierten die Bienenwaben. Mit dem „Smoker“ werden die Tiere beruhigt. Etwa 90 000 Bienen sind in Priemern angesiedelt worden.

Priemern. Auf Gut Priemern haben drei Königinnen und ihr jeweiliges Gefolge Einzug gehalten. Es summt aus allen Richtungen. Bienen fliegen eifrig hin und her.

Die Schneise an den Beuten, den Behausungen, nahe den Pferdekoppeln am Zehrengraben avanciert zu einer Schnellstraße für fleißige Insekten. Imker Hans-Ulrich Pöpel hält vorsichtig eine Wabe hoch. Jugendliche schauen interessiert zu. Mit diesem einzigartigen Naturerlebnis startet das Sozialtherapeutische Zentrum (STZ) ein bisher einmaliges Projekt. Der Osterburger ist künftig häufiger und gern gesehener Gast. Der 55-Jährige hat drei Bienenvölker angesiedelt, insgesamt gut und gerne 90 000 Carnica-Bienen, Exemplare einer Unterart der Westlichen Honigbiene. Dieser Tage erhielten die drei Königinnen und ihre fleißigen Arbeiter Zuckerwasser, aus dem die Bienen Winterfutter einlagern, lassen die Initiatoren des Projektes wissen.

Ramona Lenz, Verbundleiterin der Jugendhilfe, gehört zu den Ideengebern des von der „Aktion Mensch“ mit 4000 Euro geförderten Projektes. „Viele haben ja Angst vor Bienen“, meint sie. Durch einen möglichst respektvollen sowie ruhigen und entspannten Umgang mit den Tieren können die jungen Leute lernen, mit einer solchen Angst umzugehen. Die Jungen und Mädchen kämen mitunter aus schwierigen Familienverhältnissen. Auf Gut Priemern, einem sozialtherapeutischen Zentrum, erhalten sie ein Zuhause und die nötige Unterstützung. „Sie werden auf ein eigenverantwortliches Leben vorbereitet, erfahren Perspektiven und Selbstvertrauen.“

Der große Obst- und Gemüsegarten wird für die Bienen das Paradies sein. „Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier in der Landwirtschaft“, erzählt Imker Pöpel. Die Bestäubung der Obstbäume und Gemüsepflanzen durch Bienen könne den Ertrag um bis zu 70 Prozent erhöhen. Für die Jugendlichen, die auf dem Gut leben, ist das neue Projekt eine spannende Herausforderung. Der 14-jährige Justin beobachtet fasziniert die emsigen Bienen. Geschützt durch einen Anzug, Handschuhe und einen Imkerhut bleibt er dabei gelassen. „Wie die fliegen“, sagt er und staunt. Gemeinsam mit seiner Mitbewohnerin Kübra (15) geht er dem Osterburger Imker an diesem Tag zur Hand.

Die jungen Leute sollen Verantwortung für die Natur und die Bienen übernehmen. Sie mögen ihre Erfahrungen austauschen, voneinander lernen. Wenn sich im Frühjahr erster Honig schleudern ließe und es Kerzen aus Bienenwachs gäbe, wäre das ein Erfolg für alle Beteiligten, so die Initiatoren.

Von Marco Hertzfeld

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