Neuntes Mittelalterspektakel in der Hansestadt: Türmer Christian zeigt St. Petri / Mönche mögen es derb-deftig

Mit Junker Jürgen zu den Waschweibern

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Rund 65 geschichtsinteressierte Besucher nahmen am neunten Mittelalterspektakel in Seehausen teil.

Seehausen. Auf geschichtliche Spuren begaben sich Seehäuser und weitere Interessenten beim mittlerweile neunten Mittelalterspektakel in der Alandstadt. Angeführt wurde der Tross von Junker Jürgen, alias Jürgen Schmidt aus Wittenberge.

Mit seinem losen Mundwerk erntete der studierte Historiker etliche Lacher. Und wie er sagte, „waren wir bisher fast in jeder Ecke der Stadt“. Damit wollte er durch die Blume zu erkennen geben, dass den Organisatoren langsam die Routen ausgehen.

Im Beisein vom „edlen Ralph und der edlen Anne“ verfolgten die Wanderer die Aktionen des Spektakels.

 

Der Junker begrüßte die Herren und meinte, dass die Weiber einer Anrede nicht wert seien. „Sie stehen hier vor mir in Hosen, dabei sollten die Weiber lieber Röcke tragen, sodass die Lüfte besser abziehen.“ Ein besonderer Gruß ging an die Gruppe „Hinterhof“ aus dem Mecklenburgischen sowie an den „edlen Ralph und an die edle Anne“. Letztere ist übrigens im richtigen Leben Seehausens Vize-Bürgermeisterin.

Die Waschweiber am Aland posierten für den französischen Jüngling. Zuvor hatten sie untereinander jede Menge Zoff. Die Einlage der Laienspielgruppe „Hahn im Korb“ kam beim Publikum bestens an.

Erste Station der Tour war der Besuch bei den Waschweibern am Aland, verkörpert von der Laienspielgruppe „Hahn im Korb“, die untereinander mächtig in Streit gerieten. Ruhe kehrte erst ein, als ein französischer Jüngling, gespielt von Dr. Susanne Netal, mit einer Malstaffelei auftauchte und ein Quartier für die Nacht suchte. Ein Vorschlag war Barsberge, wo sich Wolf und Hase Gute Nacht sagen. Doch sei es fraglich, ob die Wirtin die Tür öffnet, meinte ein Weib. Besser hingegen sei die Einkehr beim Wirt Henkel im „Bierbaum“, wo es edle Speisen und immer einen gefüllten Krug gebe.

Dr. Walter Fiedler verkörperte erstmalig Türmer Christian.

An der St.-Petri-Kirche wurden die Mittelalterfreunde vom ersten Türmer mit Namen Christian empfangen, der dort 1688 eingezogen war. In diese Rolle schlüpfte Dr. Walter Fiedler übrigens zum ersten Mal. Bevor die Gesellschaft ins Gotteshaus einzog und Janne Schmitz mit dem Orgelspiel begann, forderte der Türmer: „Die Weiber sollten in der Kirche das Geschnatter lassen und die Männer beim Einschlafen nicht schnarchen.“ Auf unterhaltsame Weise erzählte Christian von der architektonischen Bedeutung der Kirche und von der darin befindlichen 150 Jahre alten Lütkemüller-Orgel. Letztlich führte der Weg zur Salzkirche, in der ein mächtiges Gelage über die Bühne ging.

Derb-deftiges Liedgut präsentierten diese Mönche vor der Salzkirche. Danach ging es zum Gelage in das alte Gemäuer.

Zuvor hielt sich vor dem Gemäuer eine Gruppe Mönche aus dem ehemaligen Seehäuser Kloster auf, um derb-deftiges Liedgut zu Gehör zu bringen. Hinter den sangesfreudigen Herren steckte der wischestädtische Männerchor unter Leitung von Sven Peuker. Hungern musste bei der etwa anderthalbstündigen Tour niemand. Die Damen von der Stadtinformation um Leiterin Ingrid Jabke hielten für die Gäste Pfannkuchen und Schmalzstullen bereit.

Von Thomas Westermann

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