Frühere Konservenfabrik zerfällt zusehends / Stadt macht Druck und setzt auf Zwangsversteigerung

Industrie-Ruine unter dem Hammer

Ein Schandfleck im Herzen der Stadt: Politik und Verwaltung wollen das Seehäuser Zentrum weiter beleben und hoffen auf die Zwangsversteigerung der einstigen Konservenfabrik und einen neuen Besitzer, der erst einmal den Müll wegschaffen müsste. Fotos: Hertzfeld

Seehausen. Die frühere Konservenfabrik soll unter den Hammer. Der Komplex im Herzen Seehausens steht seit mehreren Jahren leer und zerfällt immer mehr.

Die Stadt will nicht einfach weiter tatenlos zusehen und zudem endlich ausstehende Grundstückssteuern und anderes Geld kassieren. Wann die Zwangsversteigerung beim Amtsgericht über die Bühne geht, kann Angelika Reck momentan noch nicht sagen. „Wir gehen aber auf jeden Fall davon aus, dass es noch in diesem Jahr passiert“, sagt die Altmärkerin, die im Rathaus für die Liegenschaften zuständig ist, auf Nachfrage der AZ.

Fenster sind zerstört. Das Dach eines Nebengebäude ist eingestürzt. Unkraut wuchert. In immer mehr Ecken liegt Müll. Das Mauerwerk des Haupthauses scheint zumindest an einigen Stellen ziemlich brüchig. „Wir haben das Gelände ganz genau im Blick“, beteuert Björn Schünemann gegenüber der AZ. Vor etwa zwei Jahren musste das Ordnungsamt eingreifen und lose Steine mit Drahtmatten sichern lassen. „Besteht eine solche oder eine ähnliche Gefahr wieder, handeln wir.“ Für das Müllproblem sei allerdings das Kreisumweltamt zuständig.

Die einstige Fabrik ist trotz allem ein Hingucker. Das Fachwerkhaus thront an der Straße nahe der wischestädtischen Touristinformation. Auch Dr. Robert Reck hatte den Komplex nicht aufgeben wollen und im Dezember von potenziellen Investoren gesprochen, die dort nicht zuletzt Wohnungen einrichten würden. Der damalige Verbandsbürgermeister sah das Gelände unabhängig davon auch im aufzubauenden kommunalen Brachflächenkataster. Dr. Reck, der seit Jahresbeginn in Dessau-Roßlau wirkt, begreift die weitere Entwicklung des Stadtzentrums als eine der wichtigsten Aufgaben für seinen Nachfolgers, das neue Verbandsoberhaupt.

Das Gelände gehört nach wie vor einem insolventen Unternehmen. Wie hoch der Besitzer bei der Stadt in der Kreide steht, darüber schweigt diese.

Von Marco Hertzfeld

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