Zwangsversteigerung der früheren Konservenfabrik soll der Stadt helfen

Industrie-Ruine im Februar unter ersehntem Hammer

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Die Sonne geht auf, so mancher Seehäuser sieht das Zentrum auf einem guten Weg. Mögen Zeit und Leerstand dem Komplex im Herzen der Wischestadt auch stark zugesetzt haben, zeugt er doch noch immer von einer gewissen Größe. Aber auch ein Abriss scheint möglich.

Seehausen. Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht. Die frühere Konservenfabrik in Seehausen kommt unter den Hammer. Öffentlich versteigert werden soll die Industrieruine am 28. Februar im Amtsgericht Stendal.

Der Komplex an der Arendseer Straße steht seit mehreren Jahren leer und zerfällt zusehends. Eine Dreckecke mitten im Herzen der Wischestadt, die nicht zuletzt Bürgermeister Detlef Neumann (UWG) und Rüdiger Kloth (CDU), Oberhaupt der Verbandsgemeinde, endlich beseitigt sehen wollen. Der bisherige Eigentümer soll bei der Kommune in der Kreide stehen, es geht offenbar vor allem um säumige Grundsteuern (die AZ berichtete). Mit einer erfolgreichen Zwangsvollstreckung in der Kreisstadt würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die offenen Bescheide fielen weg und der Weg für die weitere Entwicklung des Stadtzentrums wäre frei.

Ein Gutachter hat nicht alle Fabrikgebäude betreten können. Auf dem Gelände herrscht so gut wie überall Zerfall.

Der Hof des einstigen Produktionsbetriebes ist zugewachsen, selbst in der kalten Jahreszeit scheint das Unkraut zwischen den Betonplatten nicht kleinzukriegen. Dächer stürzen ein, Fassaden bröckeln ab. Die Gebäude des in den 1990er-Jahren in Konkurs gegangenen Unternehmens sind unaufhörlich dem Verfall preisgegeben. Nicht viel besser sieht es mit dem früheren Verwaltungsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus. Dort erinnern noch Schilder mit einer Aufschrift wie „Vorsicht! Gabelstaplerverkehr“ an die besseren Zeiten. Dass sich viele Wischestädter für den Zustand des fast 2400 Quadratmeter großen Geländes schämten und sich eine Lösung für das zentrale Areal wünschten, hatte schon Kloths Vorgänger Dr. Robert Reck (parteilos) immer wieder betont und als wichtige Aufgabe für Politik und Verwaltung begriffen. Zur Erinnerung: Schon vor einigen Jahren sollte der Komplex bei einer Versteigerung meistbietend angeboten werden, doch es fand sich damals nicht ein einziger Interessent dafür.

Die einstige Fabrik ist trotz allem ein Hingucker. Das Fachwerkhaus thront regelrecht an der Straße nahe der wischestädtischen Touristinformation. Wie es mit den Flächen nach einem Besitzerwechsel weitergehen könnte, scheint völlig offen. In der Vergangenheit war die Rede von Wohnungen und Parkplätzen. Selbst das bedürfte eines Investors.

Von Marco Hertzfeld

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