Tschernobyl-Verein sieht in weißrussischer Partnerregion weiteren Bedarf

Hilfswerk nach Stippvisite: „Die Arbeit trägt Früchte“

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Kinder wie diese sind von den Altmärkern in der weißrussischen Region Narowlja beschenkt worden. Süßes war auch dabei.

Seehausen. Die achtköpfige Delegation ist aus der weißrussischen Partnerregion Narowlja zurück.

Das Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“, vor mehr als 25 Jahren gegründet, sieht sich in seiner Arbeit bestätigt und will im Engagement für die nicht zuletzt durch die Reaktorkatastrophe von 1986 in der Ukraine gebeutelte Gegend nicht nachlassen. „Wir besuchten Kindertagesstätten, Schulen und Freunde, die wir von vergangenen Erholungsaufenthalten der Kindergruppen in der Altmark kannten“, schreibt Sprecher Jörg Harthun der AZ. Margrit Rieger, Organisatorin der Reise, und Mitstreiter überreichten die Hilfsgüter, die mit Freude und Dankbarkeit angenommen worden seien. Unbedenkliche Lebensmittel zählten auch weiterhin zu den dringend benötigten Dingen, aber auch beispielsweise Nähmaschinen und die Stoffe dazu.

Nach 20-stündiger Fahrt und 1800 Kilometern hatten Vereinsmitglieder und Unterstützer, die jeweils vor allem aus Seehausen, Osterburg und Umgebung kommen, die kleine Stadt Narowlja nahe der Grenze zur Ukraine erreicht. Die Altmärker nahmen an einer Veranstaltung teil, bei der der Opfer des katastrophalen Unfalls im Kernkraftwerk gedacht und an die Aufräumarbeiter erinnert wurde. Folgeschäden an Mensch und Natur seien nach wie vor ein Thema. Der Vereinssprecher: „Es gibt staatliche Farmen für Rinder- und Geflügelmast, aber das alles in den immer noch verstrahlten Gebieten.“ Auch wenn schon ordentlich in die Infrastruktur investiert worden sei, bleibe der Nachholebedarf doch riesig. „In den umliegenden Dörfern ist die Arbeitslosigkeit besonders hoch und Alkoholismus, insbesondere unter den Männern, ist ein großes Problem. Viele Männer erreichen das 50. Lebensjahr nicht.“

Fünf Tage lang verschaffte sich die Gruppe einen Eindruck, ob und, wenn ja, wie der Verein auch zukünftig helfen kann. Die bereits länger unterstützte Schule in Golowschitze habe ein marodes Dach, das schon bald repariert werden müsse. Dass die Unterstützung auch tatsächlich wirke, zeige sich vor allem an den sanitären Anlagen, die nach mehr als vier Jahrzehnten erneuert worden seien. Harthun: „Mit Farbe von uns und der Arbeitskraft der Eltern vor Ort werden in diesem Jahr einige Klassenräume renoviert.“ Eine Kettensäge soll beim Zuschneiden von Brennmaterial für den Winter helfen. Vom Zustand eines städtischen Kinderheims seien alle positiv überrascht gewesen.

„Für mich steht fest, dass ich diese Arbeit im Verein weitermachen werde und mich getrost den Fragen der Spender und Sponsoren stellen kann. Ich war davor zuletzt 1994 in Narowlja und der aktuelle Besuch zeigt: Die Arbeit unseres Hilfswerks trägt Früchte, weitere Anstrengungen sind jedoch wichtig.“ Keine leichte Aufgabe in einem Land wie Weißrussland, das von Minsk aus nach wie vor eher autoritär geführt werde. Harthun hat mehrere Benefizveranstaltungen in und um Seehausen organisiert. In der Altmark weilten im Laufe der Jahre Hunderte junger Weißrussen zur Erholung. Zwischen den beiden Regionen gebe es inzwischen viele persönliche Bindungen. Alle zwei Jahre reisen Altmärker nach Weißrussland und koordinieren vor Ort auch die Fahrten der Osteuropäer in die Altmark mit. Am 6. Juni beginnt für 18 Kinder und drei Betreuer die Zeit in Deutschland. Ein weiteres Kapitel der Hilfe.

Von Marco Hertzfeld

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