IG Metall ruft Graepel-Mitarbeiter in Seehausen zum Warnstreik auf

„Natürlich wollen wir mehr Geld“

Graepel-Mitarbeiter streiken in Seehausen
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Auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Seehausen rief die IG Metall zum Warnstreik auf. Beschäftigte des Unternehmens Graepel und weitere Gewerkschafter versammelten sich dort. 
  • Thomas Westermann
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Seehausen. Der metallverarbeitende Betrieb Graepel ist das größte Unternehmen in der Verbandsgemeinde Seehausen. Doch die Mitarbeiter scheinen mit ihrem Betrieb nicht so richtig zufrieden zu sein. Im Januar 2018 gab es vor dem Firmengelände einen zweistündigen Warnstreik. Die Beschäftigen forderten damals den Abschluss eines Tarifvertrages. Kurze Zeit später verließ Geschäftsführer Dr. Carl-Ulrich Bauer das Unternehmen.

Am Donnerstag, 25. März, gab es unweit der Betriebstore in der Hansestadt zum zweiten Mal einen zweistündigen Warnstreik. Zum Hintergrund: Wie mehrfach gemeldet, erhöht die IG Metall mit einer Vielzahl von Warnstreiks den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, auch in Sachsen-Anhalt. Metallerinnen und Metaller treffen sich auf Straßen und Plätzen und vor den Werkstoren, um gemeinsam, entschlossen und unter Einhaltung der coronabedingten Hygieneregeln für ihre Forderungen zu demonstrieren – unter dem Motto „Beschäftigung sichern, Zukunft gestalten, Einkommen stärken“. Trotz der Einschränkungen durch die Pandemie möchte die IG Metall sichtbar, lautstark und auch präsent sein.

Dazu traf man sich auf dem Gelände der Seehäuser Feuerwehr. Verschiedene Gewerkschaftsfunktionäre sprachen zu den Beschäftigten und beschrieben den weiteren Weg im Arbeitskampf. Den Auftakt machte Axel Weber, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall, der das Forderungspaket in sechs Punkten vorstellte: Beschäftigung sichern, Zukunft und Strukturwandel mitgestalten, Entgelte verbessern, um die Kaufkraft zu stärken, eine bessere Übernahme nach der Ausbildung und dem dualen Studium und endlich Schritte zur Angleichung im Osten durchsetzen. Und: „Natürlich wollen wir in dieser Tarifbewegung auch mehr Geld. Es gibt eine ganze Reihe von Betrieben, bei denen es richtig gut läuft – so auch bei euch. Sämtliche Wirtschaftsinstitute gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft in diesem Jahr erholen wird. Eine Entgelterhöhung ist in diesem Jahr fällig, weil es die letzte Tabellenerhöhung 2018 gab. Ohne Erhöhung unserer Einkommen hätten wir einen Reallohnverlust und würden faktisch Geld verlieren.“ Weber rechnet vor: „Allein die Lebensmittelpreise sind um 2,2 Prozent gestiegen, und was an den Tankstellen passiert, wisst ihr selbst.“ Der Gewerkschaftsführer weiter: Arbeitgeber wie Graepel meinen, dass sie nur investieren können, wenn auf eine Tariferhöhung verzichtet werde und sagen, dass Zukunftssicherung Aufgabe des Managements sei. „Sie wollen nicht, dass wir, dass die Beschäftigten mitbestimmen, wie die Transformation gestaltet werden soll.“

Gewerkschaftssekretär André Voß erinnerte an Verhandlungen mit Graepel, die letztlich dazu geführt hätten, je Beschäftigten in diesem Jahr eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro brutto anzubieten. Nachverhandlungen über höhere Einmalzahlungen habe der Arbeitgeber abgelehnt, so Voß.

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