Seehausen: Schwestern wenden sich fassungslos mit offenem Brief an die Langfinger

Der Grabstelle ihrer Eltern dreist das Licht genommen

+
Auf dem Grab der Eltern steht wieder eine Laterne.

Seehausen. „Wer macht denn so etwas? Ein solches Verhalten ist einfach nur pietätlos, ja herzlos.“ Martina Helmecke ist traurig und zornig zugleich. In unregelmäßigen Abständen verschwindet der Schmuck vom Grab ihrer Eltern auf dem Seehäuser Friedhof.

Im August, kurz vor dem Sterbetag der beiden, bedienten sich die Langfinger, und ein weiteres Mal kurz nach Totensonntag. Die gestohlenen Laternen waren recht teuer, groß und ließen sich nicht einfach so unter den Arm klemmen. Der Familie geht es nicht in erster Linie ums Geld, sondern vielmehr um die dreiste Tat an sich. „Und womöglich haben andere Hinterbliebene ja auch ganz ähnliche Erfahrungen machen müssen“, sagt die Mutter zweier Töchter, die in der Wischestadt als Zahnärztin arbeitet.

Einige mögen in einem solchen Verhalten ein Kavaliersdelikt sehen. Für Helmecke ist und bleibt es, wenn denn nicht gleich Grabschändung, dann doch auf jeden Fall Diebstahl, der Menschen treffe, die ihren Liebsten eine schöne Ruhestätte geben und sich dort würdevoll an sie erinnern wollen. Die beiden Vorfälle in diesem Jahr sind nicht die einzigen, so verschwanden 2015 beispielsweise kleinere LED-Kerzen spurlos. Friedhofsverwaltung und Mitarbeitern sei kein Vorwurf zu machen, sie könnten ihre Augen auf dem weitläufigen Gelände schließlich nicht überall haben. Inzwischen steht wieder eine Laterne auf dem Grab der Eltern. „Sie ist nicht sonderlich ansehnlich, fast schäbig, vielleicht lässt man uns ja die“, meint die Seehäuserin mit leiser Stimme. Weihnachten ist nah. Helmecke und ihre Schwester Doris Marquardt hoffen, dass der oder die Täter ein Herz haben.

Die beiden Frauen wenden sich mit einem offenen Brief, verfasst von Helmeckes Tochter Johanna, direkt an die Langfinger: „Lieber Laternen-Dieb, zum dritten Mal hast du etwas von der Grabstelle unserer Eltern mitgenommen, das dir nicht gehört. Warum du das immer wieder tust, wissen wir nicht. Vielleicht ist dein Zuhause sehr dunkel, kalt und ungemütlich. Vielleicht hast du jede der Laternen auch schon sehr lange gesucht und in deiner Freude darüber, sie endlich gefunden zu haben, deine guten Manieren vergessen. Vielleicht brauchtest du aber auch ein kurzfristiges Geschenk. Andenken, die du ja auch gerne mal von anderen Grabstellen mitnimmst, erschienen dir dieses Mal unpassend. Wir ärgern uns nicht über dich. Im Gegenteil: Wenn die Laternen Licht in dein freudloses Zuhause bringen, dann freuen wir uns für dich. Wir wünschen dir (k)eine schöne Adventszeit. Möge dir ein Licht aufgehen!“

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare