Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“ lädt auch nächstes Jahr Kinder ein / Gasteltern gesucht

„Gegen das Vergessen kämpfen“

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Die Vorsitzende des Hilfswerks „Kinder von Tschernobyl“, Veronika Benecke, sucht Gasteltern für 2015.

Beuster. Bis zum Sommer des nächsten Jahres ist es zwar noch etwas Zeit, dennoch sucht das in Beuster ansässige Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“ um Vorsitzende Veronika Benecke schon jetzt Gasteltern. Eingeladen werden vom 2. bis 30.

Juni wieder 18 strahlengeschädigte Kinder mit ihren Betreuerinnen aus dem Gebiet Narowlja. Die Gastelternwochenenden sind von Freitagabend, 12. Juni, bis Sonntagabend, 14. Juni, sowie am Freitag, 19. Juni, bis Sonntag, 21. Juni. Einen Tag später schließt sich ein Berg- und Dankeschönfest an.

Veronika Benecke bittet darum, dass Interessenten überlegen sollten, ob sie jeweils zwei Kinder – möglichst an beiden Wochenenden – bei sich aufnehmen können. „Ohne Ihrer aller Mittun ginge es nicht! Immerhin sind 30 Tage zu gestalten, etwa 14 000 Euro aufzubringen, vor allem für die Busse, die Unterbringung und Verpflegung an den Wochentagen, die Krankenversicherung unserer Gäste. Wir werden es auch 2015 mit Ihrer Unterstützung schaffen“, gibt sich die Vorsitzende optimistisch.

Um Einnahmen in die Kasse zu bekommen, führt die Seehäuser Theatergruppe „Hahn im Korb“ am Sonnabend, 14. März, ab 14 und ab 16.30 Uhr in der Aula der Gemeinschafts- und Sekundarschule in Seehausen das Stück „Tischlein deck dich“ auf. Der Eintritt kostet vier Euro. Ein Euro davon erhält das Hilfswerk. Karten sind ab sofort in der Stadtinformation am Umfluter erhältlich. „Die Karten wären auch ein schönes Weihnachtsgeschenk“, findet Benecke. Vorstandsmitglied Jörg Harthun wird zudem wieder die beliebte Benefizradfahrt am 16. Mai organisieren.

Veronika Benecke macht zudem auf Fakten in dem strahlengeschädigten Gebiet aufmerksam und bedankt sich bei allen, die die Arbeit in diesem Jahr unterstützt haben. Laut der Beusteranerin sei die politische Situation in Belarus alles andere als erfreulich. Präsident Lukaschenko habe das Land weiter fest im Griff. Er tue alles, um vergessen zu machen, dass immer noch jeder fünfte Einwohner auf verseuchtem Gebiet lebe, das seien 2,1 Millionen Menschen, davon 700 000 Kinder. Als Folge der ständigen Einwirkung von geringen Strahlendosen erhöhe sich im Land mit jedem Jahr die Zahl der Personen mit Krebserkrankungen, geistiger Unterentwicklung, nervösen und psychischen Störungen sowie genetischen Mutationen. „Wir kämpfen, wenn auch mit bescheidenen Mitteln, gegen das Verharmlosen, das Vergessen an. Wir wollen nicht darüber hinwegsehen, dass zum Beispiel vor der Reaktorkatastrophe auf 100 000 Einwohner Weißrusslands 82 Fälle von Krebserkrankungen kamen, inzwischen meldet die Statistik 6000 Fälle auf 100 000 Einwohner. Eine 74-fache Erhöhung“, merkt die Vorsitzende des Hilfswerks an.

Von Thomas Westermann

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