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Für Seehäuser das Leben gegeben

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Von: Thomas Westermann

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Gedenktafelenthüllung in Seehäuser Grundschule
Roland Schlaf und Sabine Spiegel enthüllten im Beisein von Rektor Gerald Werner (r.) sowie Schülern und Lehrern die Gedenktafel für Dr. Albert Steinert und Ewald Fredrich. © Westermann

Seehausen. Zwei Männer wollten die Stadt Seehausen kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs als Parlamentäre vor der Zerstörung durch deutsche Truppen retten – der Seehäuser Arzt Dr. Albert Steinert und der Seehäuser Bürgermeister Ewald Fred-rich. Beide sind von den Nationalsozialisten in Wittenberge ermordet worden.

An die mutigen Männer erinnern der Dr.-Albert-Steinert-Platz und die Grundschule „Dr. Albert Steinert“ in Seehausen sowie der Ewald-Fredrich-Ring in Wahrenberg. Seit Donnerstag erinnert auch eine Gedenktafel in der Grundschule an die beiden Männer, die während einer Veranstaltung feierlich enthüllt worden war. Finanziert hatte diese der Förderverein der Bildungsstätte. Dessen Mitglieder Roland Schlaf und Sabine Spiegel nahmen den feierlichen Akt vor.

Schulleiter Gerald Werner erinnerte an den Tod von Dr. Steinert und Fredrich am 14. April 1945, also vor 77 Jahren. Und er machte auch darauf aufmerksam, dass die Schule seit sechs Jahren den Namen Dr. Steinerts trage. Der Rektor erwähnte die Schreckensherrschaft im Nationalsozialismus und die Tatsache, dass Dr. Steinert nur wenige Tage vor Kriegsende am 8. Mai sein Leben verloren hatte. Im Vorfeld hatten sich die Mädchen und Jungen während eines schulischen Projektes mit dem ermordeten Arzt befasst. Es wurden Friedenssymbole gefertigt, das Grab des Mediziners auf dem Seehäuser Friedhof besucht und die Gedenktafel der Erschossenen auf dem Gelände des einstigen Wittenberger Nähmaschinenwerks in Augenschein genommen. Dort sind der Wischestädter und der Wahrenberger mit weiteren Menschen hingerichtet worden. Werner zog zudem Parallelen zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Krieg in der Ukraine. Mittlerweile werden drei ukrainische Kinder in der Grundschule unterrichtet.

Einer, der die Erinnerung an Dr. Steinert immer wieder wachhält, ist Stadtratsmitglied und Seehausens Vize-Bürgermeister Dr. Walter Fiedler, der viele Jahre im wischestädtischen Krankenhaus als Arzt tätig war – so wie einst Dr. Steinert. Und der geladene Gast machte am Donnerstag klar, dass Dr. Steinert und Fredrich ihr Leben gegeben haben, um die Menschen in Seehausen vor einem von den Deutschen drohenden Artilleriebeschuss zu retten. Die Wischestadt war damals bereits von den Amerikanern eingenommen worden. Neben den 5000 Einwohnern lebten seinerzeit etwa 5000 Flüchtlinge in Seehausen.

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