Dr. Reck richtet sich in Dessau-Roßlau ein / Seehäuser Ex-Bürgermeister sieht Brücken zwischen Anhalt und Altmark

„Fühle mich vom ersten Tag an willkommen“

Dr. Robert Reck hat die Altmark verlassen und mischt nun in Dessau-Roßlau mit. Foto: Hertzfeld

Dessau-Roßlau. Dr. Robert Reck hat sich in der Bauhausstadt bereits ein Stück weit eingerichtet.

Nach seinem überraschenden Abgang und nur zwei Jahren Arbeit als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen will der gebürtige Beusteraner nun Dessau-Roßlau wirtschaftlich und kulturell voranbringen. Dabei möchte der Beigeordnete seine alte Heimat nicht aus den Augen verlieren, zumal es historische Verbindungen zwischen Anhalt und der Altmark gebe. Die AZ hat den 31-jährigen Wirtschaftsingenieur zu seinem neuen Job und den Erwartungen befragt.

Interview

Wie groß ist das Heimweh und wann kehren Sie in die Altmark zurück?

Ich telefoniere und schreibe regelmäßig mit meiner Familie und Freunden. Die Wege in Sachsen-Anhalt sind relativ kurz, sodass ich dann und wann in der Altmark bin. So auch am 13. März.

Beruflich scheinen Sie Ihr Glück ja nun in Dessau-Roßlau gefunden zu haben. Doch hat ja jede Stadt so ihre ganz eigenen Probleme, welche sind es Dessau-Roßlau?

Ich bevorzuge den Begriff Herausforderungen. Die gibt es hier wie anderswo auch. Wie alle Kommunen sind wir daran interessiert, uns so aufzustellen, dass wir nachhaltig als attraktiver Lebens-, Erlebnis-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort wahrgenommen werden.

Wenn der erste Ärger überstanden ist, fühlt man sich doch erst so richtig angekommen. Wie sah der Ärger bei Ihnen aus?

Tatsächlich hatte ich bisher keinen nennenswerten Ärger. Es hat alles gut geklappt. Ich fühle mich vom ersten Tag an willkommen.

Dessau-Roßlau ist reich an Kultur und Geschichte. Was sticht für Sie heraus und welche Aufgaben stehen gerade im Kulturbereich an?

Wir haben mit dem Bauhaus und dem Gartenreich Dessau-Wörlitz zwei bedeutende Welterbestätten. Seit Kurzem gehört mit den Mitschriften zu Luthers Römerbriefvorlesung ein Weltdokumentenerbe dazu. Auch das Anhaltische Theater und die Anhaltische Gemäldegalerie sind von überregionaler Bedeutung. Hinzu kommt das Kurt-Weill-Fest. Der 200. Todestag von Fürst Franz 2017, das Lutherjahr 2017 und das Bauhausjahr 2019 werden von uns vorbereitet. Kulturell hat Dessau natürlich noch viel mehr zu bieten. Es gibt sehr viel zu entdecken und zu erleben.

Was weiß der Bürger in Dessau-Roßlau, einer kreisfreie Stadt im Südosten des Landes, über die Altmark?

Die Altmark ist als Teil des Landes Sachsen-Anhalt durchaus bekannt. Über Albrecht der Bär und die Beziehung zwischen Winckelmann und Fürst Franz gibt es historische Verbindungslinien. Diese zu entdecken, könnte die Altmark und Anhalt vielleicht über Schul- oder Theaterkooperationen in der heutigen Zeit zusammenführen. Natürlich verbindet auch der Sport.

Die Stadt soll wirtschaftlich im Aufschwung sein. Warum braucht es da noch eines Beigeordneten, der neben Kultur vor allem für Wirtschaft zuständig ist?

Die Wirtschaft braucht eine starke Stimme und Kraft im Rathaus, die sich für ihre Belange einsetzt und ein wirtschaftsfreundliches Klima fördert. Neben der Bestandspflege und Bestandsentwicklung unterstützen wir unter anderem bei Ansiedlung, Gründung, Fachkräftesicherung, infrastruktureller Erschließung, Fördermittelbeschaffung und Vermarktung. Auch der Ausbau weicher Standortfaktoren sowie die Förderung von Kooperationen, Vernetzung und Wissenstransfer sind Teil unseres Wirkens. Die Bauhausstadt Dessau hat innovative Unternehmen mit attraktiven Arbeitsplätzen in verschiedenen Branchen. Nicht wenige Unternehmen forschen, entwickeln, designen, sind kreativ und schöpferisch tätig. Gemeinsam mit unseren Partnern fördern wir eine positive wirtschaftliche Entwicklung.

Sie haben kein Parteibuch und somit keine natürliche Hausmacht. Inwieweit könnte das irgendwann zum Problem werden?

Ich bin vom Stadtrat fraktionsübergreifend gewählt worden. Wir alle verfolgen ein gemeinsames Ziel, nämlich die positive Entwicklung der Stadt.

In Ihrer Heimat haben einige Leute nachgetreten. Über Ihre Nachfolge entscheidet der Wähler am 13. März. Sieben Kandidaten sind im Gespräch und könnten ins Rennen gehen. Wem gönnen Sie den Erfolg am meisten, wem gar nicht?

Dazu äußere ich mich nicht.

Mehr möchten Sie dazu nicht sagen?

Viele Bürgermeister in Deutschland wurden als parteilose oder unabhängige Kandidaten gewählt.

Von Marco Hertzfeld

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