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Heilkräftiges Beet für die Damen

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Von: Thomas Westermann

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Frauentag in Seehausen
Bernd Kloss überreichte an Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Seyer zum Frauentag eine Nelke. © Westermann

Seehausen. Der Weltfrauentag wurde im Jahr 1910 auf der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen ins Leben gerufen. Er sollte unter anderem die weltweite Einführung des Frauenwahlrechts fördern. Im Jahr 1977 wurde er von den Vereinten Nationen als Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden anerkannt. In Berlin ist er seit 2019 auch gesetzlicher Feiertag.

Anlässlich des Internationalen Frauentages hatten Elisabeth Seyer, Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis Stendal, und die Initiative „Seehausen links“ um Bernd Kloss am Dienstag die Damen während des Seehäuser Wochenmarkttreibens eingeladen. Das zarte Geschlecht sollte sich feiern lassen und dafür gab es Kaffee und Kuchen gratis. Kloss und Landtagsvizepräsident Wulf Gallert (Linke) hatten Gutscheine verteilt.

Über die Rolle der Frau in der Gesellschaft äußerten sich mehrere Rednerinnen. Dieser Tag sei ein sehr wichtiger Tag für die Gleichberechtigung der Frauen auf der ganzen Welt, ist Seyer überzeugt. „Vor über 100 Jahren kämpften Frauen für die Rechte, die für uns Westeuropäerinnen heutzutage eine Selbstverständlichkeit sind. Sie kamen dafür teilweise ins Gefängnis, wurden verachtet, verspottet, mit Gewalt bedroht und waren auch Gewalt ausgesetzt“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte und fügte hinzu: „Wenn wir mal etwas über den Tellerrand blicken, sehen wir, dass es sehr viele Staaten gibt, in denen Frauen immer noch eine untergeordnete Rolle spielen, keine eigenen Rechte haben und von Gewalt bedroht sind.“ Als Beispiel nannte sie den Iran. Zudem richtete sie „solidarische Grüße an die Frauen in der Ukraine“.

Unternehmerin Petra Cornehl, die Mode- und Schuhgeschäfte in Seehausen und Arendsee betreibt, erinnerte an ihren Schritt in die Selbstständigkeit als Frau im Jahr 1990. Damals hatte sie ein Geschäft auf einer Fläche von 25 Quadratmeter gehabt, und ihre Kinder waren sechs und sieben Jahre alt. Die Emanzipation habe Einzug gehalten, äußerte sie und denkt zurück an die Hilfe, die die Altmärkerin von ihrer Familie erhalten habe. Und auch der Staat gebe Unterstützung, beispielsweise bei der Kinderbetreuung. Das sei nicht selbstverständlich.

Martina Wagener, Zahnärztin in Seehausen, sei in Seehausen geboren, aufgewachsen und dort zur Schule gegangen, bevor sie in Leipzig studierte. 1986 kehrte die Seehäuserin zurück in ihre Heimatstadt. Sie arbeitete zu DDR-Zeiten in Polikliniken und nach der politischen Wende in eigener Niederlassung. Zu DDR-Zeiten habe sie sich als Frau nicht diskriminiert gefühlt und man konnte sich entfalten. Allerdings sei ihr aufgefallen, dass leitende Positionen mit Männern besetzt waren. Mittlerweile gebe es mehr Frauen als Männer, die Zahnmedizin studieren – nämlich 70 Prozent. Nicht immer sei es leicht gewesen mit der Doppelbelastung von Beruf und Haushalt. Die Mutter von drei Söhnen freue sich über die Unterstützung von Eltern und Schwiegereltern, die sie damals erhalten habe.

Zur Feier des Tages wurde am Dienstag ein sogenanntes Frauenbeet am Umfluter angelegt, das unter anderem Minze, Frauenhut und Salbei enthält. Nicht ohne Grund, denn das weibliche Geschlecht sei mit der Heilung von Krankheiten durch Kräuter schon seit Hunderten von Jahren vertraut. Die Organisatoren möchten für die Pflege des Beetes nun Paten gewinnen. Wer Interesse daran hat, kann Gleichstellungsbeauftragte Seyer kontaktieren. Erreichbar ist die Landkreisbedienstete unter der Rufnummer (03931) 60 70 41. Das Frauenbeet soll von Gärtnermeister Christian Schwander übrigens so konzipiert worden sein, dass es wenig Pflege benötige.

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