Ständig gibt es amüsante Verwechslungen

"Familie Magdeburg" – Wahrenberger halten ihren Familiennamen hoch

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Ulrich Magdeburg und seine Elke, eine geborene Dietrich, wohnen in Wahrenberg.

Wahrenberg. „Mich hat kein Schiffer aus der Elbestadt über den Deich geworfen“, meint Ulrich Magdeburg und schmunzelt. Wie die Familie zu dem Namen gekommen ist, weiß der Wahrenberger nicht. „Auf jeden Fall ist er in der Region verdammt selten.“

Tochter Jeannette hatte schon einmal nachgeforscht und gelangte bis ins 18. Jahrhundert, aber nicht weiter. Sicher ist: Magdeburgs Vater zog es irgendwann aus dem Raum Halle ins berühmte Storchendorf an der Elbe, wo ein Teil der Truppe auch heute noch wohnt. „Der Fluss verbindet sozusagen Magdeburg, die Großstadt, mit der Familie Magdeburg im altmärkischen Wahrenberg mehr als 100 Kilometer weiter.“

Magdeburg, ein gelernter Elektroniker, arbeitete viele Jahre in der Landwirtschaft und nach der politischen Wende vor allem im Asphaltmischwerk in Geestgottberg. Am Betriebstelefon sorgte der Name für einige Verwirrung. Ehefrau Elke hatte als Friseurin auch so ihre Erlebnisse: „Wer es nicht besser weiß, kann eben denken, er sei in der Stadt Magdeburg gelandet.“ Am anderen Ende der Leitung hieß es dann häufig: „Entschuldigung, ich habe mich verwählt.“ Mit dem Ruhestand sind die Verwechslungen weniger geworden, aber ganz aufgehört haben sie nicht. Wer nur die Telefonnummer hat und den Namen des Paares nicht kennt, könne schnell einmal ins Grübeln oder gar Stottern geraten.

Dass Familien den Namen eines Ortes tragen oder umgekehrt, ist so ungewöhnlich nicht. Ein Blick ins Telefonbuch offenbart schnell einige Beispiele: In Osterburg tauchen die Namen Erxleben, Kläden und sogar Osterburg auf. In Seehausen und Geestgottberg leben Berlins. In Lückstedt ist der Name Bölsdorf bekannt. In Neukirchen lassen sich Beusters finden, in Seehausen Vinzelbergs. Wie die Zusammenhänge genau sind, ja, ob es sie überhaupt gibt, könnte nicht zuletzt ein professioneller Namensforscher genau erklären. „Familiengeschichte kann schon spannend sein“, meint der 69-jährige Magdeburg. Seine Frau nickt und holt ein Album hervor.

Tochter Jeannette hat vor Jahren in Magdeburg Sozialpädagogik studiert und es in der Landeshauptstadt nebenbei zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. „Sie war mit einem originellen Dreirad unterwegs und hat Würstchen verkauft, um sich für das Studium etwas Geld dazuzuverdienen“, berichtet die Mutter und präsentiert einen Zeitungsartikel, der sich um die Altmärkerin dreht. Inzwischen arbeite sie im Gardelegener Jugendamt. Auf ihre zweite Tochter, Bianka, sind die Magdeburgs nicht minder stolz. Sie verdient ihre Brötchen in Wittenberge und ebenfalls im öffentlichen Dienst.

„Und alle heißen sie Magdeburg, natürlich auch die insgesamt drei Enkel.“ Zu heiraten und den Namen des jeweiligen Mannes anzunehmen, stehen den beiden Töchtern natürlich frei. „Doch wenn ich ehrlich bin, habe ich es ihnen verboten und damit gedroht, sie im Ernstfall zu enterben“, sagt Vater Magdeburg und lacht herzhaft. Alles nur Spaß – oder? Herr Magdeburg in Wahrenberg grinst spitzbübisch und ergänzt nach einigen Sekunden: „Magdeburg darf hier an der Elbe nicht untergehen.“

Von Marco Hertzfeld

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