Ein Fluchtversuch mit tödlichem Ausgang nahe Seehausen

Der Fall Hans-Joachim Damm

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Der Plattenweg nach Drösede in der Hackenheide: Von dort wollte sich der gebürtige Sachse Hans-Joachim Damm in den Westen begeben. Er wurde auf der Flucht erschossen.

Drösede. Freiheit auch den Altmärkern: Dieser Traum wurde vor 25 Jahren wahr, als der Eiserne Vorhang nach mehr als 40 Jahren endlich fiel und die Grenzen legal von den Ostdeutschen passiert werden konnten.

Bis dahin ist viel Blut geflossen, bei jenen, die dem real existierenden Sozialismus den Rücken kehren wollten, um in der Bundesrepublik Deutschland einen Neuanfang zu wagen.

Eine tödliche Grenzgeschichte hat sich auch in der heutigen Verbandsgemeinde Seehausen ereignet – in der Hackenheide bei Drösede. Und dies zu einer Zeit, als man dachte, dass die innerdeutsche Grenze relativ unproblematisch überwunden werden konnte. Das dachte sich auch Hans-Joachim Damm, dessen Bruder Karl über der besagten Hackenheide die Flucht in den Westen gelang und der sich in Dortmund eine neue Existenz aufbaute.

Der im sächsischen Seifhennersdorf geborene Hans-Joachim Damm, der eine Ausbildung zum Kaufmann absolvierte und später in Glashütte wohnte, träumte wie sein Bruder von einem erfüllten Leben in der Bundesrepublik. Animiert von Karls Fluchterfolg machte er sich auf den Weg in Richtung Hackenheide bei Drösede. Es war der 13. März 1952, als der 21-Jährige die Demarkationslinie überwinden wollte, die den damaligen Kreis Osterburg und das niedersächsische Wendland trennte.

Am Morgen sichtete laut Vernehmungsprotokoll aus dem Jahre 1992, das der AZ vorliegt, VP-Oberwachtmeister Walter, der in Gollensdorf stationiert war, den „Grenzverletzer“. Nach der zweiten Sichtung folgte der Ruf „Halt stehen bleiben Grenzpolizei“. Ein weiterer Ruf folgte dann, bevor Walter einen ersten Warnschuss in die Luft abgab. Nach dem dritten Aufruf „Halt stehen bleiben Grenzpolizei“ kam es zum gezielten Schusswaffengebrauch, der den Flüchtling Hans-Joachim Damm traf. Laut Totenschein, den der in Arendsee wohnende Arzt Dr. Bering ausstellte, handelte es sich um einen „Oberschenkelschlagaderdurchschuss – rechts“. 20 Minuten später trat der Tod durch Kreislaufversagen ein. Als Todeszeit vermerkte der Mediziner 8.25 Uhr.

Die letzte Ruhestätte fand der Getötete auf dem Arendseer Friedhof. Auf dem Grabstein stand: „Hier ruht von seinen Lieben unvergessen fern der Heimat unser lieber Sohn und Bruder Hans-Joachim Damm *22.6.1930 + 13.3.1952.“

Der Wahl-Dortmunder Karl Damm hatte den Tod seines Bruders nie verkraftet und wirkt verbittert. Er begab sich im Jahre 2010 auf Spurensuche ins ehemalige altmärkische Grenzgebiet. Karl Damm versprach damals wiederzukommen und wollte dann länger bleiben. Er hat es bislang nicht getan.

Von Thomas Westermann

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