Wanzeraner Dirk John schippert seit August über die Elbe und erlebt dabei viel

Fährmann, hol über

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Wanzeraner Dirk John ist ausgebildeter Binnenschiffer, hat verschiedene Schifferpatente für die Elbe und steuert seit August die Fähre zwischen dem niedersächsischen Schnackenburg und dem brandenburgischen Lütkenwisch.

Wanzer/Schnackenburg. Wanzeraner Dirk John erlernte den Beruf des Binnenschiffers, übte diesen mit Leidenschaft aus und ist seit 1. August dieses Jahres als Fährmann tätig.

Bis zu 160 Fahrzeuge setzt Altmärker John pro Schicht über. In der Radlersaison kommen täglich 150 bis 200 Pedalritter hinzu.

Täglich schippert er vom niedersächsischen Schnackenburg aus über die Elbe ins brandenburgische Lütkenwisch und wieder zurück. Noch im Frühsommer war er als sogenannter Kulturarbeiter im Bereich der Melioration im Landkreis Lüchow-Dannenberg tätig. Dann sprach ihm der Direktor des Amtes Lenzen-Elbtalaue, Harald Ziegler, an, ob er nicht als Fährmann tätig sein wolle. Das Amt betreibt die Fähre zwar, aber Eigentümer sind die Stadt Schnackenburg und die Samtgemeinde Gartow. Die Aufgabe reizte den Wanzeraner, der in seinem Heimatort die Funktion des Wehrleiters ausübt und zudem in der Kommunalpolitik tätig ist. John hat verschiedenen Schifferpatente für die Elbe, die ihn für die Aufgaben qualifizieren. Zwei Gründe spielten bei seiner Zusage für den Job den Ausschlag. Zum einen verkürze sich die Anreise von seinem Wohnort zur Arbeitsstelle erheblich und zum anderen habe er gern Kontakt mit Menschen, sagt der 49-Jährige im Gespräch mit der AZ.

Und von Letzterem gibt es natürlich jede Menge. So befördert er pro Schicht bis zu 160 Personenkraftwagen. Von Frühjahr bis Herbst kommen täglich noch 150 bis 200 Radler hinzu. Die Gründe für die Überfahrt sind unterschiedlich. John registriert in den Morgen- und Abendstunden besonders viele Pendler, die jeweils auf der anderen Seite des Flusses arbeiten. Interesse weckt auch das Grenzlandmuseum in Schnackenburg, das an die deutsche Teilung erinnert. Verschiedene Menschen aus dem Schnackenburger Raum nutzen die Fähre auch zu einem Einkaufsbummel in die Prignitzstadt Wittenberge. Der Flussweg sei erheblich kürzer als die Strecke durch die Verbandsgemeinde Seehausen zur Elbestadt.

Und nicht wenige Mitfahrende sehen das Übersetzen mit der Fähre als ein Naturerlebnis an. Über dem großen Strom drehen Seeadler ihre Runden und im Wasser schwimmen Biber. Und auch das Cockpit des Fährmanns weckt immer wieder das Interesse. Insbesondere Kinder löchern John mit vielen Fragen. Der Wanzeraner kann sich an eine Episode vor einiger Zeit erinnern, als Kraftfahrer mit der Umleitungsstrecke aufgrund der Bauarbeiten auf der B 189 bei Seehausen nicht klargekommen seien und in Schnackenburg landeten. Eigentlich wollten sie keine Fährfahrt machen, doch der Altmärker machte diese mit trockenem Humor und spaßigen Sprüchen schmackhaft. „Für fünf Euro bekommen Sie eine Kreuzfahrt über zwei Flüsse“ und meinte damit die Alandmündung und natürlich die Elbe. „Einzig und allein – das Catering taugt bei der Überfahrt nichts.“

Von Thomas Westermann

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