„Essen soll zum Erlebnis werden“

Seehausen: Jörn Reckling ist neuer Koch in der Kindertagesstätte am Lindenpark

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Jörn Reckling ist neuer Koch in der Kita am Seehäuser Lindenpark. Für das heutige Mittagessen bereitete er gestern einen Wels zu.

Seehausen – Ein Koch für die Küche in einem Kindergarten ist hierzulande noch eher die Seltenheit. Die Kita am Seehäuser Lindenpark hat nach dem Eintritt einer Köchin in den Ruhestand seit September einen Mann.

Bewerbungen gab es mehrere, die Verbandsgemeinde hatte sich unter dem Mitspracherecht von Kita-Leiterin Birgit Geiseler für Jörn Reckling entschieden.

Der junge Mann will ausgetretene Pfade verlassen und setzt mehr auf gesunde Kost. Dass den Kindern auch andere Dinge als nur Nudeln mit Tomatensoße und Fischstäbchen schmecken, davon ist der 29-Jährige überzeugt. Der Arendseer erlernte den Beruf des Kochs in einem Wittenberger Unternehmen. Danach war er in den Küchen von 5-Sterne-Hotels tätig – unter anderem in Wolfsburg, Berlin und Rostock. „Ich habe dort viel gelernt. Man hat gesehen, was man anders machen kann.“ Neben seiner Arbeit in der Kita-Küche ist Jörn Reckling als Miet-Koch bei verschiedenen Anlässen tätig, so beispielsweise bei kulinarischen Veranstaltungen in der Osterburger Ortschaft Krumke.

„Es war schon immer ein Traum von mir, bei und mit Kindern zu arbeiten“, sagt der Altmärker im AZ-Gespräch. Wenn er nicht gerade in der Küche steht, ist er bei den Mädchen und Jungen, die ihm gegenüber sehr aufgeschlossen seien und sich auch für leckere Speisen interessieren. An die gesunde Kost müsse sich der Gaumen der Kinder gewöhnen. Reckling spricht von einem Modernisierungsprozess. Dabei werden auch Produkte in einer anderen Form präsentiert – zum Beispiel wird aus einer Gurke ein Krokodil kreiert. Der Koch setzt bei seiner Kreativität auf viel Gemüse und regionale Produkte. Gute Kontakte hat er beispielsweise zum Fischer Gernot Quaschny in Schönhausen. Der lieferte einen stattlichen Wels mit einer Länge von 1,60 Meter, gefangen in der Elbe, den der Koch gestern im Beisein der Kinder fachgerecht zerlegte. Dieser Fisch sei eine sehr delikate Speise, weiß der 29-Jährige, der den Wels portionierte und braten wird. Heute soll er als Fischstäbchen auf den Mittagstisch kommen. Verarbeiten möchte Jörn Reckling auch saisonale Produkte. Dazu gehören derzeit Kürbisse und Kartoffeln, aus denen Suppe oder Püree wird. Hinsichtlich weiterer regionaler Produkte sind Birgit Geiseler und der Koch noch auf der Suche nach Anbietern. „Wir müssen Produkte finden, bei denen man finanziell auf dem grünen Zweig bleibt.“ Und: „Essen soll für Kinder zum Erlebnis werden. Die Speisen sollen nicht lieblos auf den Teller geklatscht werden“, lautet der Leitspruch.

VON THOMAS WESTERMANN

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