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Energie aus Pflanzenkraft

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Diese Paulownien wurden von Manfred und Marcel Hohmeyer aus Wurzelstecklingen
Diese Paulownien wurden von Manfred und Marcel Hohmeyer aus Wurzelstecklingen gezogen und im Frühjahr auf der Versuchsfläche ausgepflanzt. Biomasse, Holzschnitzel und Wertholz lassen sich daraus relativ schnell gewinnen. © Schaffer

Seehausen. Seit der Energiewende stehen erneuerbare Energien ganz oben auf der Tagesordnung. Wasser- und Windkraft, solare Strahlung, Erdwärme und nachwachsende Rohstoffe (Nawaro) zählen zu den erneuerbaren Energien.

Nawaro sind organische Rohstoffe, die aus der Land- und forstwirtschaftlichen Produktion stammen und für weiterführende Anwendungszwecke außerhalb des Nahrungs-und Futterbereiches verwendet werden. Diese angebauten Pflanzen laufen auch unter dem Namen Energiepflanzen. Neben Holz aus Wäldern sind Mais und Raps in der hiesigen Region die wichtigsten Vertreter. Aber auch Holz aus Kurzumtriebsplantagen (KUP) gewinnt zunehmend an Beachtung.

Mit einer Pflanze, die als Energie-, aber auch als Wertholz weltweit an Bedeutung gewinnt, beschäftigen sich seit rund zehn Jahren der Seehäuser Manfred M.W. Hohmeyer und sein Sohn Marcel. Es handelt sich dabei um die Paulownia. Dies ist eine Pflanzenart aus der Familie der Blauglockenbaumgewächse und ist hier relativ selten als Zierbaum in Vorgärten zu finden. Dieses in Bezug auf den Boden anspruchslose Gewächs ist sehr schnellwüchsig, sommergrün und laubabwerfend und kann Wuchshöhen von bis zu 15 Metern erreichen, wobei die Zuwächse von einem Meter pro Jahr liegen können. Der Baum hat einen geraden Stamm, dicke Äste mit breiter, lichter Krone. Das Besondere an ihm sind seine Eigenschaften. Mit einer Dichte von rund 300 Kilogramm pro Kubikmeter ist es eines der leichtesten Hölzer. Es ist schwer entflammbar, hat eine sehr hohe Festigkeit, trocknet schnell, ohne sich zu verziehen und hat eine geringe Wärmeleitfähigkeit. Diese positiven Eigenschaften, verbunden mit der Schnellwüchsigkeit, lassen diesen Baum auch in der Altmark in den Fokus der „Energiebauern“ treten.

Eine andere Energiepflanze, mit der sich die Hohmeyers intensiv auseinandersetzten und als Berater tätig sind, ist die Pflanze Sida, die zur Familie der Malvengewächse zählt. Das oberirdische Wachstum der Pflanze verläuft im ersten Jahr noch relativ langsam. In den Folgejahren können dann wegen des raschen Wuchses Höhen von drei bis vier Meter erreicht werden. Die Pflanze bildet holzige Stängel mit handflächig unterteilten Blättern, die denen des Ahorns ähneln. Sida bietet unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten. Als Energiepflanze liefert sie Festbrennstoffe oder ist in Biogasanlagen und für die Produktion von Biokraftstoffen einsetzbar. Sida ist eine ausgezeichnete Rekultivierungspflanze und die Imker schätzen die späte Blütezeit und den hohen Ertrag von bis zu 120 Kilogramm Honig pro Hektar. Auch die Pharmaindustrie nutzt diese Pflanze als Rohstoffquelle. Zudem ist sie mit ihren mit der Kiefer und Fichte vergleichbaren Eigenschaften als Rohstoff zur Herstellung von Dämmstoffen und Zellulose geeignet. Ihr Heizwert ist dem der Nadelhölzer ähnlich.

Für diese beiden genannten Energiepflanzen betreiben die Hohmeyers eine Versuchsfläche in der nördlichen Wische. Paulownia und Sida hatten sie zunächst im heimischen Garten vorwiegend aus Wurzelstecklingen vermehrt und im Frühjahr auf der Versuchsfläche ausgepflanzt. In gut einem Vierteljahr haben sich speziell die Paulownien zu übermannsgroßen Exemplaren entwickelt. Nun wird selektiert, und nur die Pflanzen mit den besten Eigenschaften gelangen in die Nachzucht, die im großen Stil von speziellen Laboren vorgenommen wird. Das Aufzeigen der Einsatz- und Ersatzmöglichkeiten nachwachsender Rohstoffe in der landwirtschaftlichen Produktion und die praktische Umsetzung ist Schwerpunkt der Beratung von Manfred und Marcel Hohmeyer.

Von Walter Schaffer

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