Grenzturm am Grünen Band soll bald wieder begehbar sein

Einen Zeitzeugen zugänglich machen

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Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck möchte den ehemaligen Grenzturm für Touristen zugänglich machen.

Seehausen. Fast 40 Jahre teilte der Eiserne Vorhang Europa. Er trennte Familien und Freunde vier Jahrzehnte. In dieser Zeit konnten sich aber Flora und Fauna an der innerdeutschen Grenze üppig entwickeln. Aus dem Todesstreifen wurde vor etwa 20 Jahren das Grüne Band.

Es ist nicht nur ein bedeutendes Naturschutzprojekt, initiiert vom BUND, sondern auch ein lebendiges Denkmal der jüngeren deutschen Zeitgeschichte.

In der Verbandsgemeinde Seehausen verlaufen zwischen Gollensdorf und Stresow einige Kilometer des Grünen Bandes. Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck möchte dieses verstärkt für den sanften Tourismus nutzen und hat auch eine konkrete Idee. Der Verwaltungschef möchte den verlassenen Grenzturm zwischen Bömenzien und dem niedersächsischen Nienwalde als einen „Zeugen der Geschichte“ für Radtouristen und weitere Ausflügler zugänglich machen. Derzeit ist die Tür des Relikts aus der Zeit des Kalten Krieges noch verschlossen. Doch das soll sich laut Reck möglichst bald ändern. Für ihn sei es „eines der wichtigsten touristischen Projekte für die Region“. Derzeit werde an einer Skizze zur Nutzung im Verwaltungsamt gearbeitet. Reck möchte alle Etagen begehbar machen. Zudem biete sich von der oberen Plattform aus ein herrlicher Blick auf die Landschaft. Das Innere der Wände, stellt sich Reck vor, könnte mit Bildern gestaltet werden, die in Arbeitsgemeinschaften der Gemeinschaftsschule in Seehausen entstehen.

Einer, der sich über die Initiative der Verbandsgemeinde freut, ist BUND-Mitglied Jürgen Starck aus Binde. Er übernimmt schon seit Jahren geführte Radtouren entlang des Grünen Bandes. Die nächste ist zur Mittsommernacht Ende Juni geplant. Dann wird der West-Altmärker mit Drahteselfreunden von der Bockwindmühle in Wanzer in Richtung der einstigen Dorflage Stresow aufbrechen und mit der Elbfähre einen Abstecher ins Brandenburgische unternehmen, um sich über die Deichrückverlegung bei Lenzen ein Bild zu machen. Von dort geht es dann wieder zurück in die Altmark.

Starck ist froh über das Engagement der Verbandsgemeinde Seehausen in Sachen Grünes Band. Der Landkreis Stendal habe sich in den vergangenen Jahren diesbezüglich bedeckt gehalten, sagte der Binder gestern im Gespräch mit der AZ. Im Altmarkkreis Salzwedel sehe es hingegen anders aus. Dort gab es ganze ABM-Kolonnen, die das Grüne Band offen hielten, um die Befahrbarkeit mit dem Rad zu ermöglichen. Zudem legten sie Biotope an. Apropos Biotope: Auch in der Verbandsgemeinde Seehausen werden solche demnächst entstehen. Der BUND finanziert diese und beauftragt mit der Anlegung Firmen. So werden im Bereich Bömenzien Teiche geschaffen, in denen unter anderem die Kreuzkröte heimisch werden soll. Auch sollen am Kolonnenweg bei Bömenzien Holzungsarbeiten erfolgen, um die einstige Heidelandschaft wieder entstehen zu lassen.

Von Thomas Westermann

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