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„Es ist eine Schande!“

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Manfred Sasse arbeitete seit seinem 14. Lebensjahr immer in den Ferien in der Seehäuser Konservenfabrik.
Manfred Sasse arbeitete seit seinem 14. Lebensjahr immer in den Ferien in der Seehäuser Konservenfabrik. Für ihn ist es eine Schande, wie das einstige Betriebsgelände seit der Schließung Mitte der 1990er Jahre immer mehr verkommt. Foto: Westermann

Seehausen. „Es ist eine Schande!“ Manfred Sasse schüttelt verständnislos den Kopf, wenn er am einstigen Fabrikgelände der Seehäuser Konservenfabrik (Seeko) vorbei spaziert. Der 63-Jährige hat dort ab dem 14. Lebensjahr in den Ferien immer gearbeitet.

Er war in der Gläserwäscherei beim Erbsen dreschen und auch beim Verladen der Waren tätig und besserte sich dadurch das Taschengeld auf. Er weiß noch heute ganz genau, wo sich alles befunden hat. „Nach der Wende haben die neuen Eigentümer dann experimentiert und Produkte nach neuen Rezepten hergestellt, das kam nicht an. Der Absatz ließ nach“, erinnert sich Sasse. Mitte der 1990er Jahre ging der Betrieb in Konkurs. Der Zahn der Zeit nagt seitdem an den Gebäuden. Dächer fallen ein, Fassaden bröckeln ab und auf dem Grundstück wächst das Unkraut zwischen den Betonplatten unaufhörlich. „Es ist ein Schandfleck inmitten des Stadtzentrums“, schimpft Manfred Sasse.

Der unansehnliche Anblick blieb auch dem einstigen Verbandsgemeindebürgermeister Reinhard Schwarz nicht verborgen. Er schickte Verwaltungsmitarbeiter Thomas Wolf, der für Vollstreckungen und Insolvenzverfahren verantwortlich ist, in die Spur, um das Objekt auf einer Versteigerung anzubieten. Wolf erledigte die Formalitäten. Doch der Termin vor einigen Wochen brachte nicht den Erfolg, es gab keinen einzigen Bieter. Einen weiteren Versuch der Versteigerung könnte es Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres geben. Wolf schwärmt von dem schönen Gewölbe in einem der Fabrikgebäude, das zu einer gastronomischen Einrichtung ähnlich wie das Brauhaus auf dem ehemaligen Ölmühlgelände in Wittenberge ausgebaut werden könnte. Er weiß aber auch, dass man dafür „eine Menge Geld in die Hand nehmen müsste“.

Seehausens Bürgermeister Ewald Duffe hegt ähnliche Gedanken und denkt über eine touristische oder gastronomische Nutzung nach. Letztere wäre für ihn wahrscheinlicher und interessanter. Das Stadtoberhaupt erwähnt ebenso das „wunderschöne Gewölbe“ und wünscht sich, dass sich hinsichtlich einer künftigen Nutzung auch „der Stadtrat Gedanken macht“.

Von Thomas Westermann

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