Bismarker Landschafts-Projekt könnte Signal für den Norden sein

Eine reine Kopfsache: Weiden ohne Schnitt

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Astarbeiten an einer Kopfweide am Niederrhein. Im Landkreis Stendal soll es dieses Bild wieder öfter geben.

Wanzer. „Eiche und Eichenprozessionsspinner sind in aller Munde. Doch kaum einer denkt an die Kopfweide. “ Jürgen Peters will das unbedingt ändern. Der Kampf gegen den Forstschädling und die Gifthaare der Raupe sei natürlich richtig und wichtig.

„Aber die Kopfweide hat auch unsere verstärkte Aufmerksamkeit verdient, sonst ist sie irgendwann ganz aus der Landschaft verschwunden“, glaubt der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Altmark-Elb-Havel-Winkel“. Ein für den nächsten Winter avisiertes Projekt im Raum Bismark könnte der Anstoß für deutlich mehr sein. In Wanzer, Beuster und anderswo im Norden des Landkreises stehen ebenfalls Weiden, die auf den Menschen angewiesen sind. Eine reine Kopfsache.

Der Stamm eines Jungbaums wird in einer Höhe von einem bis drei Metern gehalten. So entsteht eine Kopfweide, als Arten kommen vor allem Silber- und Korb-Weide infrage. Die Zweige müssen regelmäßig beschnitten werden. Passiert das nicht, trifft das den Lebensnerv. „Es ist ein Elend zu sehen, wie so ein Baum einfach auseinanderbricht“, meint der Pollitzer. An die 30 000 Kopfweiden dürfte es im Landkreis Stendal noch geben, Anfang der 1990er-Jahre seien es noch mindestens 48 000 gewesen. Die Pflege von Kopfbäumen könnte sich wieder lohnen. Peters: „Heizwerke sollten sich für den Brennstoff interessieren. Ich denke an Pellets und sehe ein Zusatzeinkommen für manche Landwirte.“

Doch so richtig überzeugt scheinen Politik und Industrie noch nicht. Die Blütezeit des Kopfbaumes, der in anderen Regionen stärker auch Buche, Esche, Eiche, Linde oder Pappel sein kann, scheint erst einmal vorüber. Ruten fanden noch zu Großmutters Zeiten nicht zuletzt für Körbe und im Hausbau Verwendung. Ältere Äste wurden zu Besen- und Werkzeugstielen verarbeitet. Kopfweiden können eine ganze Landschaft prägen, sind Unterschlupf für Fledermäuse und Eulen, ihre Blütenkätzchen Nahrung für Bienen. Im Laufe der Zeit verdickt sich der oberste Abschnitt des Baumstammes. Durch den wiederholten Kopfschnitt entsteht der Namen gebende Kopf.

Der LPV mit Sitz in Osterburg berät und unterstützt Gemeinden und Privatleute bei der Planung und Organisation von Kopfbaum-Maßnahmen. Das Problem: Eine wirkliche und größere Projektförderung hat es seit längerer Zeit nicht mehr gegeben. Auch deshalb sei das Bismarker Vorhaben über den Landesverband für Landschaftspflege so bedeutsam. Für den LPV Altmark-Elb-Havel-Winkel könnte das Projekt eine gewisse Signalwirkung haben. Peters, der allein und nur für einige Wochenstunden bezahlt im Büro sitzen kann: „Der Antrag ist gestellt. Es geht um bis zu 100 Bäume im Bereich Meßdorf und Büste.“ Ein Anfang.

Von Marco Hertzfeld

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