„Eine Insel ohne Fähre“

Ein Team des MDR-Fernsehens ist auf die Brückensperrung aufmerksam geworden. Der Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Wische, Karsten Reinhardt, schilderte, dass er von der Sperrung des Bauwerks aus der Presse erfahren habe. Foto: Westermann

Falkenberg/Seehausen. Die Wischeorte Falkenberg und Lichterfelde sind von der Hansestadt Seehausen abgeschnitten. Sozusagen bei einer Nacht- und Nebelaktion ließ der Landkreis Stendal als Baulastträger aufgrund von Verkehrsgefährdung das Bauwerk sperren. Die Wischeinwohner und Seehäuser sind entrüstet.

Vorgestern trafen sie sich vor Ort mit der ersten Beigeordneten des Landkreises, Annemarie Theil, und einem MDR-Fernsehteam, das den Beitrag heute oder morgen ausstrahlen wird. Theil ist auch nicht erbaut von der Sperrung, doch nach der Anfertigung eines Sondergutachtens musste innerhalb von 48 Stunden schnellstens gehandelt und die Brücke gesperrt werden.

Wie die stellvertretende Landrätin weiter ausführte, könne man die Region nicht abgeschnitten lassen. Mittels einer Behelfsbrücke als Übergangslösung, die eine Tonnage bis 30 Tonnen zulässt, soll Abhilfe geschaffen werden. Die Planung dafür wollte Theil am gestrigen Montag in Auftrag geben. Wenn es keine Komplikationen mit dem Baugrund gebe, könnte Mitte Oktober das Bauwerk wieder die Wischeorte mit Seehausen verbinden. Zudem soll eine Ersatzbrücke geplant werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 500 000 Euro.

Dennoch sind die Einwohner mit dem derzeitigen Zustand nicht zufrieden. Der Falkenberger Hartmut Kriese hat sich die Mühe gemacht, die regulär ausgewiesene Umleitungsstrecke über Wendemark, Neukirchen und Schönberg auszumessen: „Ein Umweg von 24,1 Kilometern“, wie er sagte. Wische-Bürgermeister Karsten Reinhardt fordert ein Gesamtkonzept für den ländlichen Raum und beschreibt den gegenwärtigen Zustand als „eine Insel ohne Fähre“. Hans-Joachim Falke, praktizierender Landwirt in Lichterfelde, kritisiert die mit der Brückensperrung verbundenen Mehrkosten für die Bauern. Man sollte eine Klage beim Land einreichen. Aber nicht nur die Landwirte sind betroffen. Auch die in der Wische angesiedelten Firmen bekommen Schwierigkeiten mit Zulieferungen. Und Patienten, die medizinische Hilfe benötigen, haben ebenfalls schlechte Karten. Es dauere erheblich länger, bis die Einsatzfahrzeuge eintreffen, weiß Notarzt Dr. Walter Fiedler.

Von Thomas Westermann

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