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„Ein Schlag ins Gesicht für Radler“

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Die Bahn will die Eisenbahnbrücke zwischen Wittenberge und dem Seehäuser Ortsteil Losenrade sperren. Kommunalpolitiker laufen gegen das Vorhaben Sturm. © Bohlander

Seehausen. Für Fußgänger und insbesondere Radfahrer ist die Eisenbahnbrücke bei Wittenberge eine unverzichtbare Verbindung zwischen Altmark und Prignitz. Pendler und Ausflügler nutzen diesen schnellen Weg über die Elbe.

Auf einem Abschnitt von rund 50 Kilometern ist die Brücke die einzige sichere Querungsmöglichkeit, Fähren gibt es nur bei Schnackenburg und bei Werben. Alltagsradler, die mit dem Rad zum Arbeiten oder Einkaufen nach Wittenberge fahren, sind auf die Brücke angewiesen. Radtouristen aus ganz Deutschland queren hier die Elbe, denn über die Brücke verläuft die Hauptroute des Elberadwegs.

Damit soll ab 1. August Schluss sein. In einem knappen Schreiben teilte die Bahn der Stadt Wittenberge und dem Landkreis Stendal mit, dass der Weg gesperrt wird. Für die Stadt Wittenberge wie für den Landkreis Stendal ist das völlig inakzeptabel. „Wir als Kommune werden alles tun, um das zu verhindern“, erklärte der Wittenberger Bürgermeister Dr. Oliver Hermann. Der Bürgermeister der Stadt Seehausen, Ewald Duffe, hält die drohende Brückensperrung ebenfalls für katastrophal. „Das wäre ein Schlag ins Gesicht aller Radtouristen. Wir würden hier radtouristisch und wirtschaftlich abgeschnitten.“ Dem schließt sich der Landkreis Stendal an, wie Simone Tandeck, zuständig beim Landkreis für überregionale Radwege, erklärte. „Wir wollen auf jeden Fall, dass die Brücke offen bleibt und bemühen uns um eine Lösung.“

Der Streit um den Fuß- und Radweg auf der Eisenbahnbrücke ist nicht neu. Bereits im Frühjahr 2008 hatte die Bahn den Weg für kurze Zeit sperren lassen. Nachdem jedoch die Kommunen auf beiden Seiten heftig protestiert hatten und die Stadt Wittenberge auch einen Anwalt einschaltete, ließ die Bahn die Sache auf sich beruhen. Seitdem fordern Schilder die Radfahrer an der Brücke zum Absteigen auf und weisen darauf hin, dass die Benutzung des Weges auf eigene Gefahr erfolgt. Mit dieser Lösung konnten bis heute offenbar alle gut leben.

Nun geht die Bahn erneut in die Offensive. Nach Auffassung der Bahn handelt es sich bei dem Fuß- und Radweg auf der Brücke nicht um einen öffentlichen Weg, sondern um einen Inspektionsweg der Bahn, für den die öffentliche Nutzung nicht gestattet ist. Wenn die Kommunen den Weg trotzdem öffentlich nutzen wollen, sollen sie auch für die Kosten aufkommen, lautete bisher die Position der Bahn, inklusive Verkehrssicherungspflicht und Instandhaltung. Das wiederum war bisher für die Stadt Wittenberge und den Landkreis Stendal nicht akzeptabel, die die Bahn in der finanziellen Pflicht sehen, da es sich ihrer Meinung nach um einen öffentlichen Weg handelt, der auf Bahngelände verläuft.

Am heutigen Dienstag will sich nun die Bahn mit Vertretern der Stadt Wittenberge und dem Landkreis Stendal in Schwerin zusammensetzen, um eine Lösung für das Brückenproblem zu finden. Die Stadt Wittenberge sei durchaus kompromissbereit, erklärte Bürgermeister Dr. Oliver Hermann. Und auch die Bahn ist offenbar um eine Lösung bemüht. „Von Seiten der Bahn hat man uns verschiedene Alternativen angeboten“, sagte die stellvertretende Stendaler Landrätin Annemarie Theil.

Man darf gespannt sein, ob die Gespräche zu einem positiven Ergebnis führen. Sollte es keine Einigung mit der Bahn geben, werden Radtouristen auf dem Elberadweg und die Radfahrer aus der gesamten Region an der Eisenbahnbrücke Wittenberge buchstäblich vor verschlossenen Türen stehen. Das dürfte sich auch für die Ausflugslokale auf beiden Elbseiten sehr geschäftsschädigend auswirken.

Von Susanne Bohlander

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