St. Petri als offene Kirche: Schon gut 1000 Besucher in dieser Saison

Türme ziehen Touristen an

Mann mit Laterne
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Auf Wunsch und nach Voranmeldung schlüpft Dr. Walter Fiedler in das Gewand des ersten Türmers Christian.
  • Thomas Westermann
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Seehausen. Weit sichtbar sind die Türme der St.-Petri-Kirche in Seehausen, die dadurch immer wieder Besucher anziehen. Vor einigen Jahren entschlossen sich die evangelische Kirchengemeinde und der Förderverein des Gotteshauses um Vorsitzenden Dr. Walter Fiedler dazu, das einzigartige Bauwerk von Frühjahr bis Herbst als offene Kirche Architekturinteressierten zu zeigen.

Immer ab 15. Mai bis 15. Oktober kann die Kirche montags bis sonnabends von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden oder nach Vereinbarung unter der Rufnummer (039386) 5 25 76. Derzeit übernehmen circa 15 Personen den ehrenamtlichen Kirchendienst. „Wir sind aber nicht böse, wenn sich weitere Interessenten für diese Aufgabe melden“, würde sich Dr. Fiedler über mehr Mitstreiter freuen. Es gehe beim Dienst nicht um eine kirchliche Aktion, sondern um die Vermittlung der architektonischen Geschichte. Unter anderem das Portal, um 1220 entstanden, die barocke Kanzel, gestiftet 1711/1712 und aus Holz gearbeitet, sowie der nach 1500 geschaffene Altar haben einen hohen kulturgeschichtlichen Wert. Die jungen Leute seien in Arbeit und haben für das Ehrenamtliche eher weniger Zeit, aber rüstige Ruheständler kämen dafür infrage. Dr. Fiedler schätzt die Gespräche mit den Besuchern, die nicht nur Fragen zur Kirche stellen, sondern auch über die Hansestadt Seehausen etwas erfahren möchten. „Das ist ein toller, sozialer Nebeneffekt.“ Er schätzt zudem die Arbeit der Seehäuser Touristinformation, die immer bei der Ankunft neuer Wohnmobilisten auf dem Caravan-Stellplatz auf die Möglichkeit des Kirchenbesuchs hinweist. Viele nutzen dann auch das Angebot. In diesem Jahr hatte die Kirche schon aufgrund der Pfingstferien fünf Tage früher als sonst geöffnet. Mittlerweile wurden gut 1000 Besucher gezählt. Interesse haben nicht nur Touristen, auch Einheimische wenden bei familiären Treffen ihre Schritte zu St. Petri. Ein Renner ist immer wieder die Besichtigung der Türmerwohnung. Auf Wunsch und nach erforderlicher Voranmeldung schlüpft der 77-jährige Mediziner im Ruhestand in das Gewand des ersten Türmers Christian und führt die Gäste durch das Gotteshaus.

Ehemalige Seehäuser, die mal wieder die alte Heimat besuchen, machen ebenfalls oft einen Kirchenbesuch. Dabei werden Erinnerungen an Taufe, Konfirmation oder Hochzeit geweckt. Und es gibt auch einstige Wischestädter, die die Gedenktafeln für die Opfer der beiden Weltkriege in der Marienkapelle aufsuchen und dort nach Namen von Angehörigen oder Bekannten schauen.

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