„Diese Spaltung besteht bereits“

Dr. Fiedler fordert Güssau zum Rückzug aus dem frisch gewählten CDU-Kreisvorstand auf

+
Dieses Bild trügt. Die krisengeschüttelte CDU scheint in wichtigen personellen Fragen weiter gespalten.

Stendal / Seehausen. Nach dem Sonderparteitag vertiefen sich die Gräben in der CDU weiter. Dr. Walter Fiedler, einer der größten Kritiker Hardy Peter Güssaus, fordert diesen in einem offenen Brief zum Rückzug aus dem frisch gewählten Kreisvorstand auf.

Passend dazu:

AZ-Interview mit Chris Schulenburg: „Schlussstrich ziehen, nach vorn schauen“

Kommentar:

Hardy Peter Güssau: Man kann ihn (vor)verurteilen oder verstehen

„Ein wirklicher Neuanfang nach dem Wahlskandal ist so nicht möglich“, meint der Seehäuser. Eckhard Gnodtke, Kandidat der Altmark-CDU für die Bundestagswahl am 24. September, werde es unter diesen Bedingungen schwer haben, das Direktmandat zu holen. „Die Bevölkerung, sprich der Wähler, ist verärgert und vergisst nicht so schnell die undurchsichtigen Vorgänge im Wahlskandal. “ Güssaus Rolle in der Stendaler Briefwahlaffäre 2014 ist nach wie vor umstritten.

Dr. Walter Fiedler

Güssau selbst habe beim Parteitag von der Gefahr einer Spaltung des Kreisverbandes gesprochen. „Diese Spaltung besteht bereits. Ich und viele mir bekannte andere CDU-Mitglieder stehen auf der anderen Seite der Spalte. Am 5. April wird nicht der letzte Sonderparteitag der zerrissenen CDU gewesen sein“, prognostiziert Dr. Fiedler, der 1990 bei den ersten freien DDR-Wahlen für die CDU in die Volkskammer einzog und danach am 3. Oktober 1990 mit anderen in den Bundestag einrückte. „Sie könnten noch einen Beitrag leisten, den Spalt zu verkleinern.“ Landtagsmitglied Güssau war beim Parteitag wieder in die Position des Schatzmeisters gewählt worden. Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz, der sich öffentlich für einen Neuanfang ohne Güssau ausgesprochen hatte, musste beim Kampf um die Parteispitze überraschend eine Niederlage einstecken. Stattdessen wurde Chris Schulenburg, der als Vertrauter Güssaus gilt, der Nachfolger Wolfgang Kühnels.

Güssaus Auftreten in Stendal stößt Dr. Fiedler, seit Mitte der 1970er-Jahre Mitglied der CDU, bitter auf. „Bei mir zumindest kamen Erinnerungen an den Auftritt von Erich Mielke vor der Volkskammer im Oktober 1989 auf. Es fehlte nur der Satz: ,Ich habe euch doch alle lieb.’“ Güssau sei demokratisch zum Schatzmeister bestimmt worden, was er anerkenne. Trotz des Wahlsieges sollte sich der Stendaler aber noch einmal genau überlegen, ob er den Posten wirklich annehmen sollte. „Mit Ihrer Wahl haben Sie dem CDU-Kreisverband Stendal keinen Gefallen getan“, ist der Wischestädter überzeugt.

Schlimm sei auch der Angriff auf die Presse gewesen. Wenn ein früherer Lehrer von „Schweine-Journalismus“ spreche und von keinem seiner Parteifreunde zur Mäßigung aufgefordert werde, sei das beängstigend. „Was hätten Sie getan, wenn einer Ihrer Schüler ihren Unterricht als ,Schweine-Pädagogik’ bezeichnet hätte?“

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare