Bau- und Ordnungsamtsleiter will nicht Dr. Recks Stellvertreter sein / Verwaltungschef greift durch

Dienstanweisung für Mertens

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Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Dr. Robert Reck bei der Stimmabgabe. Links Guido Mertens, der partout nicht sein Stellvertreter sein möchte.

Seehausen. Eigentlich sollte Bau- und Ordnungsamtsleiter Guido Mertens auf der Sitzung des Seehäuser Verbandsgemeinderates am Dienstagabend zum Stellvertreter des Verwaltungschefs Dr. Robert Reck im Verhinderungsfall gewählt werden.

Der Baufachmann hätte damit die Nachfolge von Kämmerin Katrin Neuber angetreten, die die Funktion nicht mehr ausüben wollte und auf der vorangegangenen Sitzung deshalb abgewählt worden war. Aber Guido Mertens will den Job auch nicht haben. „Wenn die Frage kommen würde, ob ich die Wahl annehme, würde ich mit einem klaren Nein antworten“, sagte der Baufachmann vor dem Gremium, der anscheinend mit seiner fachlichen Tätigkeit genug zu tun hat. „Vor etwa zwei Jahren haben wir über personelle Aufstockung im Bauamt gesprochen, nichts ist passiert. Nun ist noch das Ordnungsamt hinzu gekommen“, argumentiert der Schönberger. Für Dr. Reck hingegen gebe es keinen Personalmangel, die Ämter seien gleichmäßig verteilt. Der Verwaltungschef bekräftigte, dass es zu einer Führungskraft gehöre, solche Aufgaben wie die des Stellvertreters zu übernehmen. Ratsmitglied Detlef Neumann meinte: „Es ist keine Wahl, sondern eine Festsetzung. “ Dr. Reck daraufhin: „Man kann sich arbeitsrechtlich wehren." Der erbandsgemeindebürgermeister betonte mindestens zweimal, dass „Herr Mertens mein vollstes Vertrauen genießt“. Mertens daneben nahm das mit zerknirschtem Gesicht zur Kenntnis, den Job wollte er nach wie vor nicht. Die Wahl ging in geheimer Abstimmung dennoch über die Bühne. Das Ergebnis zeigte, dass Mertens nicht für die Funktion gezwungen werden sollte. Bei einer Enthaltung votierten acht Räte mit Ja und neun mit Nein. So wurde der Amtsleiter nicht gewählt. Bernd Prange regte an, trotz aller Schwierigkeiten sich erneut auf Kandidatensuche zu begeben. Dr. Robert Reck hingegen lässt Stärke walten. „Ich werde mich morgen mit der Kommunalaufsicht in Verbindung setzen und Herrn Mertens per Dienstanweisung zum Stellvertreter machen.“

Prange warf die Frage auf: „Ist in der Verwaltung der Wurm drin?“ Vize-Verbandsgemeinderatsvorsitzender Reinhard Röhl ist der Auffassung, dass es ein Kommunikationsproblem gebe. Das bestätigte auch Ausschusschef Rüdiger Kloth auf AZ-Anfrage. Hinsichtlich einer besseren Kommunikation gab es eine Arbeitsberatung, geändert habe sich scheinbar nichts. Es sei ein erstes Achtungszeichen gewesen, als Kämmerin Neuber zurückgetreten sei und fügt hinzu: „Es ist bedenklich, wenn sich kein Stellvertreter findet. Schließlich haben wir Verantwortung. Es geht um unsere rund 10 000 Einwohner und einem jährlichen Etat von 7,5 Millionen Euro.“

Von Thomas Westermann

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