Waldbesetzer sehen gutes Verhältnis zur Bevölkerung in Losse

„Mehr mit uns reden“

Die Waldbesetzer bei Losse halten sich weiterhin in ihrem camp auf
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Die Ablehnung gegen den Bau der Autobahn kommt auch auf diesem Transparent zum Ausdruck. Etwa seit Mitte April halten die Aktivisten das Waldstück besetzt. Der Eigentümer des Privatwaldes hat Anzeige erstattet.
  • Tobias Henke
    VonTobias Henke
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Seehausen – Trotz der erneuten Eskalation vom vergangenen Freitag geht das Leben im Camp im Wald bei Losse seinen gewohnten Gang. Gewalttätige Gegner der Waldbesetzer hatten nach Polizeiinformationen mit einer Paintball-Waffe auf zwei Aktivisten geschossen, die sich am Bahnhof aufgehalten hatten, in dem die Autobahngegner eine Art Basislager aufgeschlagen haben. Beim Vor-Ort-Termin mit den Waldbesetzern, bei dem es zumindest gestern nicht erwünscht war, dass jemand fotografiert wird, fällt sofort ins Auge, dass hier nicht nur gegen Bau der A 14 protestiert werden soll. Plakative Slogans wie „Crash Capitalism“ oder die Aufforderung, „Weg mit der Festung Europa!“ deuten daraufhin, dass es den Waldbesetzern nicht nur um den geplanten Bau der A 14 geht, der für sie unter „Schnee von gestern“ fällt, wie auf einem Plakat steht.

Zumindest mit einer Person kann die AZ gestern sprechen, sie nennt sich aus genderneutralen Gründen „Mensch“ und lässt durchblicken, dass sich die Besetzer mehr Dialog wünschen. „Ich kann hier nicht für alle sprechen, aber aus meiner Sicht wird viel mehr über uns, als mit uns geredet“. Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sei absolut erwünscht. „Die Leute finden das ja interessant, was wir hier machen. Ich hätte nichts dagegen, wenn es noch mehr wären, die uns besuchen“. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts, dass vorerst nicht geräumt werden darf, wurde mit Erleichterung aufgenommen. „Unter der Voraussetzung, dass die Polizei sich rechtsstaatlich verhält, können wir erleichtert sein.“, lässt die Person einen Rest Skepsis durchblicken.

Der medial von vielen Kommunalpolitkern verbreiteten Aussage, dass die Campteilnehmer alle nicht aus der Altmark kämen, wird widersprochen. „Natürlich kommen einige von hier und wir erfahren auch viel Unterstützung“ An manchen Stellen finden sich im Camp Indizien, dass es sich um einen Protest mit durchaus internationalem Charakter handeln könnte. So gibt es etwa im „Freeshop“, einer regengeschützten Holzkonstruktion die Möglichkeit für die Campbewohner, sich mit Kleidung und anderen Utensilien einzudecken, die zur Nutzung bereitstehen, oder selbst zur Verfügung zu stellen. Im Deutschen heißen solche Läden oft „Umsonstläden“.

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