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„Nach Groß Garz gehen wir nicht“

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Von: Thomas Westermann

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Jeggels Wehrleiter Falk Butnop in der leeren Fahrzeughalle
Die Jeggeler Brandbekämpfer vor dem Aus: Wehrleiter Falk Butnop in der leeren Fahrzeughalle. © Thomas Westermann

Jeggel. Im nächsten Jahr könnte die Freiwillige Feuerwehr Jeggel ihr 110-jähriges Bestehen feiern. Doch das Jubiläum dürfte aller Voraussicht nach ausfallen. Die Kameraden um Wehrleiter Falk Butnop werden ihre Mitgliedschaft zum Ende dieses Jahres kündigen und der Verwaltung der Verbandsgemeinde Seehausen die Papiere übergeben. Damit ist die Wehr nach 109 Jahren ehrenamtlicher Arbeit Geschichte.

Was ist geschehen? Schon im Sommer kündigte der Wehrleiter gegenüber der AZ an, dass sich die Wehr Ende 2021 auflösen werde. Grund dafür ist die Frustration darüber, dass die Kameraden kein modernes Feuerwehrgerätehaus bekommen, das in einem ehemaligen Unternehmensgebäude entstehen sollte. Die Verbandsgemeinde erwarb die Immobilie für wenig Geld. Es flossen auch Fördermittel, die schon zurückgegeben wurden. Der Verbandsgemeinderat hat mehrheitlich beschlossen, die Investition nicht zu tätigen, da nur noch wenige Kameraden als aktive Mitglieder tätig sind. Für das Gremium wäre das eine Verschwendung von Steuergeld.

Zu wenig Kameraden habe die Feuerwehr in dem kleinen Dorf nicht, findet Butnop. „Wir haben 14 aktive und sehr gut ausgebildete Kameradinnen und Kameraden.“ Eine unangenehme Nikolausüberraschung gab es für ihn am Montag dieser Woche. Verantwortliche der Verbandsgemeinde brachten das Jeggeler Feuerwehrfahrzeug vom Typ TSF Mercedes- Sprinter und andere Ausstattungsgegenstände in das Gerätehaus nach Groß Garz, wo auch die Jeggeler Kameraden künftig ihre ehrenamtliche Tätigkeit verrichten sollten. „Nach Groß Garz gehen wir nicht“, macht Wehrleiter Butnop unmissverständlich deutlich.

Nach der Auflösung zum Jahresende bleiben Butnop und seinen Kameraden nur noch Erinnerungen. Die schlagkräftige Truppe hat in der Vergangenheit bei Wettkämpfen und Ausscheiden etliche Pokale gewonnen. So machten die Jeggeler beispielsweise in den Disziplinen Stiche und Bunde beziehungsweise beim Löschangriff der Männer oft eine gute Figur. Etliche Trophäen stehen in einer Vitrine des Gerätehauses. Auch das gesellschaftliche Leben in dem Dorf der heutigen Gemeinde Zehrental haben die Ehrenamtlichen bereichert. So wurden durch den Förderverein der Brandbekämpfer mit René Butnop an der Spitze Feste zum Kindertag, Maifeuer, Weihnachtsbaumverbrennen, Skat- und Romméabende fürs Dorf und vieles mehr organisiert. Nach Angaben von Falk Butnop wird sich der Förderverein aller Wahrscheinlichkeit nach im Januar 2022 auflösen. Das Geld dieser Organisation, konkret 500 Euro, erhielt am 1. Dezember der Förderverein der Kindereinrichtungen Zehrental. Vereinschef René Butnop überreichte den symbolischen Scheck an Vize-Vorsitzende Katharina Totz.

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