Bahnhof in Seehausen wichtiger Treffpunkt

Basislager der Autobahngegner

Drei Aktivisten haben sich am Bahnhof in Seehausen getroffen, um nach Bitterfeld zu einer Demonstration zu fahren.
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Ida, Zoltan Schäfer und Milan Bölke (v.l) fuhren mit dem Zug nach Bitterfeld, um dort an einer Demonstration teilzunehmen .Alle drei engagieren sich auch gegen den Bau der A 14.
  • Tobias Henke
    VonTobias Henke
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Der Seehäuser Bahnhof ist schon seit geraumer Zeit Treffpunkt und auch eine Art Basislager von Gegnern des Baus der Autobahn. Die AZ hat sich vor Ort erkundigt, wie die Aktivisten mit den tätlichen Angriffen auf sie leben und ob es Pläne hinslichtlich der weiteren Nutzung des Bahnhofsgebäudes gibt, in dem sie sich mit Erlaubnis des Eigentümers aufhalten.

Es ist geplant, einen Verein zu gründen, erzählt Milan Bölke, der sich im Bündnis keine A 14 engagiert und auch regelmäßig mit den Waldbesetzern in Kontakt steht. Er möchte dem auch von manchen Kommunalpolitikern verbreiteten Klischee entgegenwirken, dass die Waldbesetzer keiner Arbeit nachgehen würden. „Ich kenne Leute, die haben im Wald ihr Studium abgeschlossen.“ Der Bahnhof sei zwar nicht zuletzt ein erster Anlaufpunkt für Aktivisten, die in Seehausen ankommen und in das Waldcamp möchten, jedoch sei auch ein Austausch mit der Bevölkerung erwünscht. Vor den Waldbesetzern zieht er seinen Hut. „Die nehmen dort schon was auf sich“, meint Bölke auch mit Blick auf den kommenden Winter.

Den Protest gegen die A 14 stellt Bölke in einen weniger lokalen als einen globalen Zusammenhang. „Die Verkehrswende muss kommen und da ist für den Bau neuer Autobahnen nun mal kein Platz.“ Das mit der Realisierung des Vorhabens ein wirtschaftlicher Aufschwung verbunden sein könnte, wie ihn viele Befürworter der Autobahn sehen, glaub Bölke nicht. „Es ist erwiesen, dass dies nicht der Fall ist, meint Bölke, der die Hoffnung nicht aufgegeben hat, dass die A 14 am Ende doch nicht gebaut wird.

Schon mehrfach wurden auf den Bahnhof Anschläge verübt, wie etwa mit einer Softair-Waffe und auch ein Sofa vor dem Bahnhof wurde in Brand gesteckt (Die AZ berichtete). Darüber hinaus habe es mehrere Angriffe von mutmaßlich rechtsradikalen Angreifern gegeben. „Es wurde auch eine Rohrbombe geworfen“, sagt Bölke.

Aus Solidarität mit einem Aktivisten von Fridays for Future aus Bitterfeld, der sich regelmäßig Anfeindungen ausgesetzt sieht, hat er sich gestern mit mehreren Mitstreitern mit dem Zug auf den Weg gemacht, um vor Ort an einer Solidaritätsdemonstration teilzunehmen.

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