Naturschützer freuen sich über das Raubtier, Landwirte und Hobbyzüchter fürchten um ihr Vieh

„Der Wolf ist keine Bestie“

+
(Symbolbild)

Seehausen. Naturschützer freuen sich riesig, aber die Landwirte fürchten um ihr Vieh. Der Wolf ist auf dem Vormarsch und schlägt immer häufiger zu. Einst in Deutschland ausgerottet, ist er von Polen aus wieder eingewandert.

Bundesweit gibt es derzeit rund 200 dieser Raubtiere, fast ein Viertel davon lebt in Sachsen-Anhalt. Immer mehr Menschen fragen sich, ob Waldspaziergänge noch gefahrlos möglich sind und haben Angst um ihre Kinder (die AZ berichtete). Aber der Wolf ist streng geschützt, Abschüsse durch die Jägerschaft passé.

Unter dem Motto „Wer hat Angst vorm bösen Wolf? – Von alten Märchen und neuer Furcht“ hatte die Friedrich- Ebert-Stiftung zu einer Podiumsdiskussion in Seehausen eingeladen. Die Anregung dazu kam von SPD-Landtagsmitglied Ralf Bergmann. Diskutiert werden konnte unter anderem mit Dr. Peter Schmiedtchen von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, mit Andreas Berbig von der Referenzstelle Wolfsschutz und mit Dr. Gerd Heckenberger vom Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden.

Dr. Schmiedtchen wollte das Thema „nüchtern und sachlich“ angehen. Seiner Meinung nach sei der Wolf nicht aggressiv. 33 Rudel mit jeweils sechs bis zehn Tieren gebe es in Deutschland. In Sachsen-Anhalt seien sechs Rudel und ein territorialer Einzelwolf bekannt. Der Experte ist sich sicher: „Der Mensch ist nicht im Beuteschema des Wolfs, Angriffe die absolute Ausnahme. Der Wolf ist ein ganz normales Raubtier und keine Bestie. Man sollte ihm in Deutschland eine Chance geben.“

Landwirte und Hobbytierhalter sehen das anders. Schutzmaßnahmen durch den Bau von Zäunen für die Herdentiere, die Dr. Heckenberger erläuterte, kosten Geld. Einem Tierhalter schwant: „Hobbyzüchter werden bald verschwunden sein. Der Aufwand für den Zaunbau ist zu groß.“ Und: „Der Wolf ist ein gefährliches Tier.“ In die Kerbe haut auch Bernhard Engelmann, Vorsitzender der Jägerschaft Stendal. „Ganz gefahrlos ist der Wolf für den Menschen nicht.“ Laut Dr. Schmiedtchen ernähre sich der Wolf in den hiesigen Gefilden zu 97 Prozent von Schalenwild. Dennoch seien die Jagdstrecken für die Waidmänner in Sachsen-Anhalt nicht kleiner geworden.

Dr. Walter Fiedler aus Seehausen ist weder Viehzüchter noch Jäger, aber er sieht die Rückkehr der Tiere skeptisch. „Müssen wir Gefahrenquellen künstlich erzeugen, die eigentlich in Deutschland nicht da sind?“, fragt er. „Für den Wolfsschutz wird viel Geld ausgegeben. Für gefährdete Jugendliche ist hingegen kein Geld da?“ und meint damit die seiner Auffassung nach zu wenigen Streetworkerstellen.

Von Thomas Westermann

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare