Polizisten Fiukowski und Heine erinnern sich

Seit 60 Jahren Radarkontrollen: „Dann kam der wilde Osten“

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Seehausens Regionalbereichsbeamter, Polizeihauptmeister Günter Fiukowski (l.), und sein Kollege, Polizeihauptmeister Eckhard Heine, erinnern sich an ihre Geschwindigkeitskontrollen zu DDR-Zeiten und nach der politischen Wende.

Seehausen. Vor 60 Jahren gab es die erste Radarkontrolle in Deutschland. Seit 1957 bremst sie deutsche Raser aus: Am 21. Januar startete das nordrhein-westfälische Innenministerium den ersten Feldversuch mit einer Radarkontrolle in Düsseldorf.

Ab 1958 wurde das Modell in Serienproduktion hergestellt. Heute gibt es in der Bundesrepublik Deutschland rund 4500 stationäre Messgeräte, die sogenannten Starenkästen. In der DDR hielten diese jedoch keinen Einzug.

Über die damaligen Techniken und Messkontrollen erinnern sich der Seehäuser Regionalbereichsbeamte Günter Fiukowski und sein Kollege Eckhard Heine im Gespräch mit der AZ. Fiukowski ist seit 1982 im Polizeidienst, Heine seit 1979. Extreme Geschwindigkeitsüberschreitungen waren in der DDR kein Thema. Wie auch. Trabant und Wartburg waren nicht auf Höchstleistungen getrimmt, meinen die Beamten. Auffallend schneller hingegen zeigten sich die Autos der sowjetischen Marke Lada. Bei zugelassenen 80 Stundenkilometern außerorts wurden Fahrer schon mal mit 120 km/h gemessen.

Auch die Technik bei den Kontrollen wandelte sich: Polizeihauptmeister Heine weiß noch, dass Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre sogenannte Schlauchgürtel für Geschwindigkeitsmessungen zum Einsatz kamen. Dabei handelte es sich um zwei dünne Strippen, die die Schnelligkeit der Fahrzeuge feststellten. Allerdings gab es bei dieser Methode Fehlmessungen. Danach trat ein polnisches Radarmessgerät in Aktion. Von der Messstelle aus gaben die Polizisten die Fahrzeugmarken der Verkehrssünder an die Ordnungshüter der Kontrollstelle weiter, die dann „herausgefischt“ wurden und manchmal ihre Fahrerlaubnis abgeben mussten. Schwerpunkte der Kontrollen waren damals außerorts die Fernstraße 189 an der Abfahrt Polkern und innerorts die Ortschaften Erxleben, Leppin und der Arendseer Bereich. 1989 begann die politische Wende: „Dann kam der wilde Osten, es war ein gesetzloser Zustand“, meinen die Beamten. Doch irgendwann normalisierten sich die Verhältnisse. 1995 bekamen die Beamten moderne Messtechnik in Form von Handlasergeräten vom Typ „LAVEG“, die in Jena produziert wurden und auch heutzutage noch genutzt werden. Übrigens: Auch an Ausreden waren die Geschwindigkeitsüberschreiter nicht verlegen, wie Fiukowski und Heine anmerken. Da waren neue Schuhe schuld, die so drückten, dass man das Gaspedal unwillkürlich durchtreten musste. Andere sollen nicht mitbekommen haben, dass man sich in einer Ortschaft befinde. Ein weiterer Grund sei Terminstress gewesen.

Von Thomas Westermann

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