Deich in Hoher Garbe soll zurückgebaut werden

BUND stellt Projekt bei Wanzer vor: Lebendige Auen für die Elbe

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Wenn der Winter an Kraft gewinnt, sind wieder solche Aufnahmen möglich. Die Elbauen in der Altmark, wie hier weiter südlich in Sachsen-Anhalt oder anderswo haben ihren ganz besonderen Reiz.

Wanzer. Im Rahmen des Projektes „Lebendige Auen für die Elbe“ fand in Wanzer eine Informationsveranstaltung des BUND statt. Organisiert wurde diese vom Trägerverbund Burg Lenzen. Als Projekthintergrund führte Dr.

Meike Kleinwächter als Projektleiterin an, dass Auwälder zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen Mitteleuropas gehören und mit bis zu 12 000 Arten sie einer der „Hotspots“ der Artenvielfalt sind.

Wanzer wurde als Ort der Veranstaltung gewählt, weil sich hier in der Hohen Garbe in der Nähe der ehemaligen innerdeutschen Grenze eine der wichtigsten und größten Hartholzauen mit einem großen Anteil an Alt- und Totholz befindet. Dieser Auwald ist teilweise durch einen Deich von der natürlichen Flussdynamik abgeschlossen.

Das Projektgebiet ist die Hohe Garbe und ein 50 Kilometer langer Elbabschnitt von Dömitz bis Wittenberge. Ziele des BUND ist es, diesen Deich in der Hohen Garbe zurückzubauen, damit sich der Auwald wieder natürlich entfalten kann. Gleichzeitig entwickelt sich Retentionsfläche, die bei Hochwasserereignissen der Elbe Wasser aufnehmen kann.

Das vorgestellte Projekt hat eine Laufzeit vom November 2012 bis Oktober 2017. Es wird unter anderem durch das Bundesamt für Naturschutz, Lotto-Toto und die Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt gefördert. Da in diesem Gebiet von 423,2 Hektar Fläche verschiedene Eigentumsformen vorhanden sind (Privatbesitz: 99,6 Hektar, 23,5 Prozent), versucht der BUND Flächen durch Kauf- oder Tauschverträge von tauschwilligen Eigentümern zu erwerben. Bei annähernd 41Prozent der Flächen sei dies bereits geschehen, heiß es.

Von Dieter Leupold wurde auch eine naturschutzfachliche Bestandsaufnahme in der Hohen Garbe gegeben. Demnach fanden Spezialisten beim GEO-Tag in der Hohen Garbe über 1500 Tier- und Pflanzenarten bei dieser größten Feldforschungsaktion in Europa. Erste Ergebnisse der hydraulischen Modellierung in der Hohen Garbe stellte Kai Otte-Witte von der IWUD GmbH Höxter vor. Man ging der Frage nach, wie solche computergestützten Modelle entstehen und wie sich die Garbe hinsichtlich des Wasserstandes verändern würde, wenn dort territoriale Eingriffe stattfinden. Als Datenpool dienten die Elbpegel und Fließgeschwindigkeiten der Elbe bei Wittenberge von 1890 bis 2013.

Premiere hatte an diesem Nachmittag auch der Kurzfilm „Die Auenwerkstatt“, in dem auch Landwirte und Angler der Projektregion mit ihren Bedenken zu Worte kamen. Über den GEO-Tag der Artenvielfalt und weitere Aktivitäten in der Öffentlichkeitsarbeit referierte Vanessa Reinfelder. Einen Ausblick auf das Arbeitsprogramm der Auenwerkstatt 2016 gab der Moderator Lars Fischer vom Büro für Landschaftskommunikation Eberswalde. Angedacht sind eine GPS geführte Auentour, ein Workshop mit dem Heimat-und Mühlenverein Wanzer im März sowie eine Radtour im Sommer 2016.

Tourismus und Naturschutz in und an der Hohen Garbe sollen im Fokus der geplanten Aktivitäten stehen. In der anschließenden Diskussion kamen unter anderem die Frage nach der Jagdausübung in der Kernzone, die Wertverluste von stärker durchnässten Grünlandflächen und wie die Ziele des Naturschutzes mit den Anwohnern und Nutzern der Hohen Garbe in Einklang gebracht werden können.

Von Walter Schaffer

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