Industriegebiet lässt noch auf sich warten

Bürokratische Mühlen mahlen langsam

Die Wittenberger sind in Sachen Industriegebiet schon weiter als die Seehäuser. Flächen können Investoren dort aber immer noch kaufen.
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Die Wittenberger sind in Sachen Industriegebiet schon weiter als die Seehäuser. Flächen können Investoren dort aber immer noch kaufen.

Seehausen – Die Ausweisung des Industriegebietes vor den Toren der Hansestadt Seehausen braucht einen langen Atem.

Einen entsprechenden Beschluss fasste der Verbandsgemeinderat Seehausen schon vor sechs Jahren, doch bisher habe sich nichts getan, ärgert sich Ralf Steinmetzer, der damals in dem Gremium vertreten war und heute Stadtratsmitglied in Seehausen ist. Der praktizierende Landwirt aus dem Seehäuser Ortsteil Beuster blickt mit etwas Bewunderung nach Wittenberge. „Die sind mit ihrem Gewerbegebiet schon wesentlicher weiter“, sagte er auf der jüngsten Zusammenkunft des Stadtrates.

„Und Osterburg will ebenfalls mit Gewerbe wachsen. Gewerbesteuereinnahmen bekommen wir nur, wenn sich Investoren ansiedeln“, fügt er hinzu. Da sei für ihn die Antwort von Bau- und Ordnungsamtsleiter Guido Mertens nicht zufriedenstellend, dass das „Industriegebiet in Bearbeitung“ sei. Und Stadtratsmitglied und Seehausens Vize-Bürgermeister Dr. Walter Fiedler konnte sich zu dieser Thematik eine ironische Bemerkung, wenn auch nicht ganz ernst gemeint, nicht verkneifen: „Tesla haben wir verpasst.“

Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler) sieht als Grund für die lange andauernde Umsetzung deutschlandweite bürokratische Hürden. „Vor 20 Jahren ging das alles viel schneller“, sagt er im AZ-Gespräch. Es mussten für das Industriegebiet Planungen erstellt werden, die dann später wieder korrigiert werden mussten. Ursprünglich waren Flächen von circa 80 Hektar anvisiert. Die riesige Größe wurde durch das Landesverwaltungsamt moniert. Das Gebiet sei überdimensioniert, hieß es.

Also machte man sich erneut ans Werk und ließ das Areal auf etwa 30 Hektar „schrumpfen“. Und noch ein Fakt bremse die Initiativen der Seehäuser Verwaltung aus. Es müssten Investoren vor der Tür stehen, um ein Industriegebiet genehmigungsfähig zu machen, fordert das Landesverwaltungsamt. Dabei beißt sich sprichwörtlich die Katze in den Schwanz. „Es gab einst Anfragen von Interessenten, aber keine in schriftlicher Form, die erforderlich wären“, so der Bürgermeister.

Mittlerweile habe sich das Blatt gewendet. Es gebe einige Investoren, die sich bei Seehausen ansiedeln wollen. Um welche es sich handelt, darüber möchte der Verwaltungschef noch keine Auskunft geben.

Um noch einmal auf das Wittenberger Industriegebiet zurückzukommen. Es ist zwar gut belegt, aber potenzielle Investoren können dort immer noch Flächen kaufen. Dafür wird mit einem Schild geworben. VON THOMAS WESTERMANN

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