Zelle in Seehausen: Verein „KinderStärken“ und Kaschade-Netzwerk schaffen Lesestützpunkt

„Buch gehört nicht weggesperrt“

Die Bücherzelle in Schernikau ist vor einem Jahr eingeweiht worden. Prof. Kaschade hält das Band rechts. Foto: AZ-Archiv
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Die Bücherzelle in Schernikau ist vor einem Jahr eingeweiht worden. Prof. Kaschade hält das Band rechts.
  • Marco Hertzfeld
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Seehausen. Nein, nein, natürlich seien die Bücher in einer solchen Zelle nicht eingesperrt. „Und ja, es gibt sehr wohl noch Menschen, die zu gebundenen Seiten greifen und ein solches Angebot zu schätzen wissen. Das Buch gehört nicht weggesperrt“, versteht Prof. Hans-Jürgen Kaschade da keinen Spaß.

Der 31.  Bücherstützpunkt soll in Seehausen eingerichtet werden. Aller Voraussicht nach wird die umgerüstete Telefonzelle am Schwibbogen stehen, also im Herzen der Wischestadt. Inwieweit sich die Kaschade-Stiftung an der Finanzierung beteiligt, ist noch nicht abschließend geklärt. Transport und Montage müssten aus Kapazitätsgründen dieses Mal aber auf jeden Fall von den Antragstellern organisiert werden. Unterm Strich koste eine Bücherzelle 1000 Euro und mehr, sagt der frühere Geschäftsführer des Stendaler Existenzgründerzentrums BIC.

Das Literaturhilfswerk habe seine Aufgabe erfüllt und sei bekanntlich aufgelöst. Unzählige Tausend Bücher haben der Professor und seine Mitstreiter meist selbst vor allem nach Osteuropa geschafft und so nicht zuletzt den Deutschunterricht an Schulen unterstützt. Die Büchertauschzentrale an der rolandstädtischen Weberstraße öffnet weiterhin seine Tür. Zudem komme nach wie vor eine gewisse Anzahl Bücher hinzu. Auch diesen Bestand nutzen der Förderverein der Stadtbibliothek mit dem Namen Bücherfreu(n)de Stendal, die Altmärkische Bürgerstiftung und die Kaschade-Stiftung für die Bücherstützpunkte, mal ist es eine Telefonzelle unter freiem Himmel, mal auch ein Schrank etwa in Cafés und Behörden mit hohem Publikumsverkehr. Soll eine Zelle Bücher aufnehmen, müssen Holzregale passgenau angefertigt sein. Zudem muss ein Fundament gegossen werden, denn die Box soll ja sicher stehen.

Und das am liebsten für eine halbe Ewigkeit, dürfte sich der Verein „KinderStärken“ wünschen. Mitarbeiterin Anja Demme hat den Antrag für Seehausen formuliert. Die Initiative ging von den Kindern und Jugendlichen aus, das ist Demme und Kollegen wichtig. Es sei also nichts Verordnetes. Bei einer Konferenz sei erstmals über das Projekt gesprochen worden. Dass die Verbandsgemeinde Seehausen und Bürgermeister Rüdiger Kloth mit ins Boot geholt werden konnte, sei auch gut. „KinderStärken“ ist im gesamten Landkreis aktiv und treibt nicht zuletzt das Modellprojekt „Jugend im Land 3.0 – Digitale Demografie- und Engagementförderung im ländlichen Raum“ voran. Und da passe durchaus auch das klassische Buch hinein. Die Seehäuser Box soll möglichst bald aufgestellt werden.

Lesefreunde können Bücher in den Stützpunkten ausleihen und austauschen, und das quasi rund um die Uhr, ein Vorteil gegenüber einer Bibliothek. Wo es gewünscht ist, sorgen Prof. Kaschade und Mitstreiter nach einem guten halben Jahr für anderen Lesestoff. Umfunktionierte Telefonzellen gebe es aktuell neun, unter anderem in Uenglingen, Schernikau und Groß Schwechten. „In der Regel dominieren Reiseliteratur, Kochbücher und Bücher für verschiedene Hobbys“, erläutert Ruheständler Prof. Kaschade gegenüber der AZ. Sei der Standort ein spezieller, liege natürlich darauf der Schwerpunkt. „Logisch, dass etwa im offenen Bücherschrank des Tiergartens Stendal vor allem Tierbücher zu finden sind.“

Von Marco Hertzfeld

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