Viele große Immobilien in der Gemeinde stehen leer / Rückbau nur mit Fördergeld möglich

Bröckelnde Fassaden in der Wische

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Der Leerstand vieler Immobilien in der Gemeinde Altmärkische Wische bereitet Bürgermeister Karsten Reinhardt Kopfzerbrechen. Eine davon ist die BBS in Lichterfelde, die schon seit Jahrzehnten keine Auszubildenden mehr gesehen hat.

Altmärkische Wische. Etliche leer stehende Immobilien in seiner Kommune sind Karsten Reinhardt, Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Wische, schon seit Jahren ein Klotz am Bein. Doch der ehrenamtliche Volksvertreter steckt in der Klemme.

Zum einen seien die meisten Gebäude im privaten Besitz und zum anderen fehle der Gemeinde das Geld zum Abriss.

Die einstige Polytechnische Oberschule „Altmärkische Wische“ hat zwar noch den Schriftzug, ist aber schon längst verlassen.

Doch Reinhardt hat bei den Eigentümern schon vorgefühlt, die einem Verkauf an die Kommune nicht ablehnend gegenüberstehen. „Doch ohne Fördermittel läuft nichts, wir brauchen finanzielle Unterstützung beim Rückbau“, äußerte der Bürgermeister im Gespräch mit der AZ. Als ein Fallbeispiel nannte er das Dorf Lichterfelde mit zwei leer stehenden Wohnblöcken im Ortskern und zwei weiteren in Richtung Wendemark. Hinzu gesellen sich die einstige Polytechnische Oberschule „Altmärkische Wische“ und die Betriebsberufsschule (BBS), die schon seit Jahrzehnten keine Auszubildenden mehr gesehen hat und vor sich hingammelt. Bei der BBS hatte sich schon der ehemalige Lichterfelder Bürgermeister Bernd Sennecke Gedanken gemacht, wie das Haus eine neue Nutzung erfahren könnte. Es gab damals einen Vor-Ort-Termin mit Klaus Schmotz, der nach der politischen Wende Kämmerer des Landkreises Stendal war und nun Oberbürgermeister der Rolandstadt ist. Zu Potte war man nicht gekommen.

Ein trostloses Dasein fristen diese Wohnblöcke in Lichterfelde. Die Mieter sind ausgezogen, die Bausubstanz verfällt.

Bei einem Wohnblock in Lichterfelde habe die Gemeinde einen Anteil, alle anderen, inklusive BBS und POS, seien privat. Für BBS oder POS hatte der Landkreis vor einiger Zeit in Erwägung gezogen, diese für Flüchtlinge anzumieten. Doch der Gedanke verflüchtigte sich ganz schnell, als Reinhardt sagte: „Da kann man nicht mal Schweine halten“ – und meinte damit die baulichen Zustände. Reinhardt schwebt als Vision der Abriss der Gebäude vor, um eventuell Parkflächen oder Streuobstwiesen anzulegen. Letztere wären dann für das Allgemeinwohl. Hinsichtlich der Parkflächen führte er als positives Beispiel Iden an. „Bürgermeister Norbert Kuhlmann hat dort alles richtig gemacht.“ Doch dafür müsste das Wische-Gemeindeoberhaupt ein Förderprogramm anzapfen, auf das er wartet.

Kopfzerbrechen bereitet Wendemarker Reinhardt die demografische Entwicklung. Die vier Ortsteile Falkenberg, Lichterfelde, Wendemark und Neukirchen haben je rund 200 Einwohner – Tendenz sinkend. Als der Bürgermeister das Amt nach der kommunalen Gebietsreform im Jahre 2010 übernommen hatte, lebten im Gemeindegebiet noch 1124 Einwohner, gegenwärtig seien es rund 850. „Nach Schätzungen werden wir uns in den Jahren 2025 bis 2030 auf über 600 Personen einpegeln.“ Junge Frauen haben in der Vergangenheit die Wische verlassen, weil sie Arbeit brauchten, um Geld zu verdienen. Die Verluste seien enorm. Man habe nicht nur eine Person verloren, sondern vielleicht eine Frau, die möglicherweise eine Familie gegründet hätte. Ältere Menschen hingegen hätten ihren Wohnort kaum verlassen.

Von Thomas Westermann

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