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Heimatfreunde packen an

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Von: Thomas Westermann

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Man und Frau im Bretscher Heimatmuseum
Die Vorsitzende des Bretscher Heimatvereins, Rosemarie Müller, und ihr Stellvertreter Friedrich Dieckmann an der Landauer Kutsche, die Höhe-Bürgermeister Bernd Prange als Ausstellungsstück zur Verfügung stellte. © Thomas Westermann

Bretsch. Der Heimatverein Bretsch um Vorsitzende Rosemarie Müller und Vize-Chef Friedrich Dieckmann widmet sich der Erforschung, Aufarbeitung und Bewahrung von Gegenständen und Dokumenten zur Geschichte der Ortsteile Bretsch, Dewitz, Drüsedau, Priemern und der ehemaligen Gemeinde Bretsch. Die Mitglieder wollen die Geschichte bewahren und lebendig erhalten und bewusst machen, dass das kulturelle und soziale Leben in der dörflichen Gemeinschaft notwendig und erhaltenswert ist.

Im Dezember 2008 wurde der Verein gegründet und im April 2009 in das Vereinsregister eingetragen. In etwa dieser Zeit stellte die Gemeinde Altmärkische Höhe den Heimatfreunden das Verwaltungsgebäude des ehemaligen Volkseigenen Gutes (VEG) zur Nutzung zur Verfügung, die in den Räumen mit viel Liebe und Engagement ein Museum einrichteten. Gegenwärtig werden verschiedene Räume umgestaltet, die ein bestimmtes Thema beinhalten. So gibt es beispielsweise ein DDR-Zimmer und eine Schmiedewerkstatt. In einem weiteren Raum sind Küchen aus dem Jahr um 1930 und 1950 zu sehen. Auch der Geschichte des Volkseigenen Gutes wird ein Raum gewidmet. Zum VEG hat Müller übrigens eine besondere Beziehung. Sie war dort eine Zeit lang als Sekretärin des Leiters Dr. Harry Boguschewski tätig.

Einen Platz bekommt zudem der 1820 in Bretsch geborene Karl Wilhelm Osterwald, der später leitender Lehrer im thüringischen Mühlhausen war und mit seinem literarischen Schaffen Erfolge verzeichnen konnte. Ein besonderes Exponat ist die Landauer Kutsche aus den 1920er-Jahren. Dabei handelt es sich um ein Geschenk des Höhe-Bürgermeisters Bernd Prange an den Heimatverein. In der Kutsche waren schon seine Eltern 1960 zur Eheschließung gefahren.

Im Lauf der Jahrzehnte hat das Gefährt jedoch seinen alten Glanz verloren. Ralf Lippitz, Vereinsmitglied und Gemeindearbeiter, machte die Kutsche wieder flott.

Rund 500 bis 600 Besucher kommen pro Jahr in die museale Einrichtung nach Bretsch. In Corona-Zeiten war dies jedoch nicht der Fall. Die Vereinsarbeit musste nach unten gefahren werden, sagte Vereinsvorsitzende Müller im Gespräch mit der AZ. Vorher konnte sich die Bretscherin über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. „Besuchergruppen sind auf das Museum im Internet aufmerksam geworden. Aber auch Mundpropaganda lockte Interessenten an. Und nicht zuletzt die Wirtin des Bretscher Gasthauses, Anette Lunkwitz, macht Werbung für das Museum.“ Es soll aber in der näheren Umgebung auch Menschen geben, die von der Existenz der Einrichtung in dem Höhe-Dorf nichts wissen. Die Exponate stammen aus der Region und darüber hinaus. Den weitesten Weg hatte eine Kaltmangel, die einst um das Jahr 1900 in Berlin im Einsatz war. Später fand das Gerät den Weg zum Heimat- und Kulturverein Tylsen, zu dem die Bretscher guten Kontakt haben. Da die westaltmärkischen Tylsener über keine musealen Räumlichkeiten verfügen, überließen sie das Stück den Ostaltmärkern auf der Höhe.

Wie andere Vereine sind auch die Bretscher Heimatfreunde auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Die kommt zum Beispiel von der Gemeinde und vom Windpark Gagel. Dadurch konnten an einer Seite die Fenster in dem lang gestreckten Gebäude erneuert werden. Und für die Fenster auf der gegenüberliegenden Seite floss Geld aus dem Soforthilfeprogramm „Landwirtschaftliche Museen 2021“ des Bundes. Die Bretscher erhielten 10 500 Euro und legten dazu einen Eigenanteil in Höhe von 3500 Euro drauf. Letzterer war nicht gerade leicht zu stemmen. Die Mitgliedsbeiträge sind gering und Spenden von den Museumsbesuchern blieben seit zwei Jahren wegen Corona aus. Trotz der angespannten Lage in der Pandemie schauen Müller und ihre Mitstreiter nach vorn. So soll der Tag der offenen Tür 2022 nach Jahren der Abstinenz eine Neuauflage erfahren. Angepeilt wird der Wonnemonat Mai.

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