„Brauchen uns nicht verstecken“

Kaskada vor kurzem noch unter dem Springsattel von Thomas Kann aus Viesecke unterwegs, bald schon unter dem des Weltranglisten Ersten – Pius Schwizer aus der Schweiz.

Beuster - Von Christine Hormann. Der einzige Kolibri hierzulande hat vier Beine, kann nicht fliegen und steht in Bronze auf dem Haupt- und Landgestüt in Neustadt/Dosse. Kolibri war ein Schimmelhengst und einst der Spitzenvererber der Pferdezucht in der DDR – dem, wie es damals hieß, Edlen Warmblut. Er galt als einer der 20 besten deutschen Leistungsvererber im Pferdesport überhaupt.

Noch heute macht der 1979 geborene Hengst, der 2004 im Alter von 25 Jahren an einer Kolik starb, mit seinen Nachkommen Schlagzeilen, die auch dem Spitznamen seines Namengebers, des Vogels Kolibri alle Ehren machen. Denn die Ornithologen bezeichnen den extrem beweglichen Vogel auch als „fliegenden Diamanten“.

Dass die Zuchtlinie des legendären Kolibri nicht in Vergessenheit gerät, wird auf 36 Hektar in Beuster gepflegt, die der 75-jährige Dieter Mäkelburg und seine Tochter Ute Schulze mit ihrer Pferdezucht bewirtschaften. In der Decksaison muss dort der jetzt 13-jährige Kolibri-Sohn Kaiserwind den guten Ruf seines Vaters weitervererben. Das tut er im Sport unter dem zweifachen Berlin-Brandenburgische Landesmeister Thomas Kann aus Viesecke jenseits der Elbe schon eine ganze Weile.

Nun macht auch eine Kaiserwind-Tochter aus der Zucht von Ute Schulze und Dieter Mäkelburg von sich reden – die fünfjährige Kaskada, die bislang in ihrem Scheckheft mit Thomas Kann Platzierungen der Klasse A, L und M hat. Sie wurde vor kurzem von dem Schweizer Olympiareiter und derzeitigen Weltranglisten-Ersten Pius Schwizer für 40 000 Euro auf der Süddeutschen Reitpferdeauktion in München ersteigert.

Wenn man bedenkt, dass in der bayerischen Landeshauptstadt 30 qualitätsvolle Nachwuchspferde verkauft wurden, der Durchschnittspreis bei 18 250 Euro lag, dann ist der für Kaskada erzielte Spitzen-Auktionspreis ebenso wie der renommierte Name des neuen Besitzers in der Schweiz ein großes Kompliment für die Züchter Ute Schulze und Dieter Mäkelburg und den Ausbilder des Pferdes, Thomas Kann, aus Viesecke. Kann: „Das Beispiel Kaskada zeigt, dass wir uns in unserem Zuchtgebiet nicht zu verstecken brauchen.“ Dass die Stute in Bayern ihren Käufer fand, ist auch ein Beleg dafür, dass der vom Pferdezuchtverband Brandenburg-Anhalt eingeschlagene Weg, in der Vermarktung der Pferde mit der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Pferdezuchtverbände zusammen zu arbeiten, erste Früchte trägt und nicht falsch war - gleichwohl der Weg der Kolibri-Enkelin und Kaiserwind-Tochter zur Auktion nach München und in den Stall des Weltklassereiters Pius Schwizers eher das Ergebnis eines Zufalls war. Kann hatte bei der in Neustadt/Dosse erfolgten Vorauswahl der Pferde für die Auktion in München die Stute Kaskada nur zufällig auf seinem Pferdetransporter. Aber als die Experten aus München die Kaiserwind-Tochter sahen, sagten sie zu Kann: „Komm mit ihr nach München“. Thomas Kann: „Das ist ja einfacher gesagt als getan. Das ist ja nicht um die Ecke und verursacht ja auch erhebliche Kosten und Risiken für den Züchter.“ Dieter Mäkelburg und Ute Schulze gingen das Wagnis ein und erzielten in München das zweitbeste Auktionsergebnis für ein Springpferd. In die Freude mischt sich auch der eine oder andere Wermutstropfen. Ute Schulze: „Es ist schön, dass man für seine Zucht auch belohnt wird. Aber viele sehen nicht, dass zurzeit der Pferdemarkt sehr umsatzschwach ist – die Kosten aber immer bleiben und stetig wachsen.“

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