Biologe Armin Püttger-Conradt forscht an den drei letzten Nördlichen Weißen Nashörnern

Bömenziener besucht Todgeweihte

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Biologe Armin Püttger-Conradt aus Bömenzien besuchte vor einigen Wochen im afrikanischen Kenia die letzten drei Nördlichen Weißen Nashörner. Auf dem Foto ist er mit Bulle Sudan.

Bömenzien. Der Biologe Armin Püttger-Conradt hat vor etwa vier Jahren seinen Wohnsitz von Elmshorn aus dem Norden ins altmärkische Bömenzien verlegt (die AZ berichtete).

In seinem Fachwerkhaus schreibt er Bücher und geht an altmärkische Schulen und Prignitzer Bildungsstätten, um dort Vorträge zu halten. Und immer wieder zieht es ihn zu Forschungsreisen in die weite Welt. Bekannt geworden ist der Wahl-Altmärker durch seine Einsätze zum Schutz der letzten Nördlichen Weißen Nashörner im Kongo. Drei Jahrzehnte kämpfte er für den Erhalt dieser Art, nun hat er den Kampf verloren. Die Nördlichen Weißen Nashörner sind so gut wie ausgestorben.

Anfang der 1980er Jahre entdeckte er die Liebe zu den riesigen Tieren mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,90 Meter. Wie er gestern der AZ berichtete, gab es 1979 noch 800 derartige Nashörner, bei seinem Aufenthalt im Kongo zwei Jahre später waren es nur noch 45. Was ist passiert? Püttger-Conrad schildert das in seinem Buch „Der Fluch des Horns“. Auf dem chinesischen Markt war ein enormer Bedarf an den Hörnern, die als Allheilmittel galten. Systematisch wurden die stolzen Rhinos zu Lande und aus der Luft abgeschlachtet. Was blieb, waren die Kadaver, die unter afrikanischer Sonne verrotteten. Der Biologe konnte sich bei seinem Aufenthalt mit eigenen Augen ein Bild davon machen. Die Gelder aus dem Verkauf der Hörner sollen zur Finanzierung des Bürgerkriegs im Sudan eingesetzt worden sein. 1984 gab es dann nur noch 14 Nördliche Weiße Nashörner. Dank eines Hilfsprojektes und eines strammen Regierungschefs wuchs die Zahl im Jahr 2000 auf 39 an. Der Bömenziener spricht von einem „riesigen Erfolg“. Doch das ist mittlerweile Geschichte.

Die einzigen, die derzeit noch leben, sind der 43-jährige Bulle Sudan sowie die weiblichen Tiere Najin (28 Jahre) und Fatu (15 Jahre). Das Trio hat eine Odyssee hinter sich. In den 1970er Jahren ging es aus der afrikanischen Heimat in den tschechoslowakischen Zoo in Dvur Kralove. Auch dort verrichtete Püttger-Conradt an den Tieren seine Forschungsarbeit. Nach Jahrzehnten des Aufenthalts wollte die Zooleiterin die Nashörner wieder in ihre ursprüngliche Heimat schicken und tat dies auch. Ziel war Kenia – und zwar das Naturschutzgebiet Ol Pejeta Conservancy. Die Aktion war mit der Hoffnung verbunden, dass sich vielleicht Nachwuchs einstellt – vergeblich. Püttger-Conradt wollte nochmals zu seinen geliebten Nashörnern, um erneut Forschungsarbeit zu leisten. Im September dieses Jahres ging es zu einem mehrwöchigen Aufenthalt in das besagte Naturschutzgebiet. Die Nashörner befanden sich in einem Hochsicherheitstrakt, umgeben von Starkstromleitungen und Wachtürmen, auf denen bewaffnete Wildhüter Ausschau nach eventuellen Wilderern halten. „Im Ol Pejeta Conservancy habe ich ein Lebensbild von den Tieren angefertigt. Dazu gehörten auch Nachtbeobachtungen. Es war ein sehr emotionales Erlebnis Sudan, Najin und Fatu in freier Wildbahn zu sehen“, sagt der 57-Jährige der AZ. Allerdings werde es mit dem Nachwuchs nichts mehr werden. Der Bulle sei gebrechlich und habe nicht mehr allzu lang zu leben. Najin und Fatu hingegen können noch einige Jahre überdauern. Mit dem Tod beider sei dann das Nördliche Weiße Nashorn ausgestorben.

Armin Püttger-Conradt will nun in Bömenzien seine Forschungsergebnisse aufschreiben. Als nächstes Vorhaben möchte er sein Haus und Grundstück zu einem Domizil für Naturfreunde gestalten.

Von Thomas Westermann

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