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Biogasanlagen besser als ihr Ruf

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Prof. Dr. Gerhard Breves von der Tierärztlichen Hochschule Hannover stellte für Interessierte in Seehausen die Untersuchungsergebnisse aus verschiedenen Biogasanlagen vor. Foto: Schaffer

Seehausen. Im Zusammenhang mit der geplanten Errichtung von Biogasanlagen kam es bei einer Sitzung der Seehäuser Stadträte zu einer Anfrage, ob es einen Zusammenhang von Botulismus und der Ausbringung von Biogasgülle auf die Felder gibt.

Als Hintergrund kann man die anhaltenden Diskussionen in der Öffentlichkeit zu diesem Thema sehen, in denen der Verdacht ausgesprochen wird, dass es in Biogasanlagen zu einer deutlichen Vermehrung von Krankheitserregern wie Clostridien oder anderen Erregern kommen soll. Botulismus ist eine Vergiftung, die durch verdorbenes Fleisch, Wurst oder nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse – auch Fleischvergiftung genannt, botulus ist das lateinische Wort für Wurst – hervorgerufen wird. Das Botolinumbakterium ist anerob, das bedeutet, die Sporen keimen nur unter Luftabschluss aus und setzen dabei das Botulinumtoxin frei. Dieses ist das stärkste aller bekannten biologischen Gifte.

Geht nun von den Gärresten einer Biogasanlage eine erhöhte Gefahr für Mensch und Tier aus? Um diese Frage wissenschaftlich beantwortet zu haben, hatte die Verbandsgemeinde Seehausen Prof. Dr. Gerhard Breves vom Physiologischen Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover zu einem Vortrag über dieses Thema in die Seehäuser Wischelandhalle eingeladen. Landwirte, Biogasanlagenbetreiber, Tierärzte, die Bürgermeister aus den Orten der Verbandsgemeinde, Stadträte und interessierte Bürger zählten zu den circa 60 Besuchern der rund dreiviertelstündigen Veranstaltung. Der Professor führte aus, dass seine Hochschule im Auftrag des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums eine Untersuchung vornahm, die eine Aussage zu der eingangs gestellten Frage erbringen sollte. Dazu hatten die Tierärzte Proben aus fünf Nawaro-Anlagen (Nachwachsende Rohstoffe) ohne Gülle, fünf mit Rindergülle und Energiepflanzen sowie fünf mit Schweinegülle und Rindertrockenkot sowie Energiepflanzen gezogen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Dezember 2011 vom niedersächsischen Landwirtschaftsminister vorgestellt. Als Fazit der Untersuchung ergab sich folgendes: In keiner Probe wurde neurotoxinbildendes Clostridium botulinum nachgewiesen. Außerdem konnte während des Fermentationsprozesses auch keine Anreicherung von Keimen in den Gärresten nachgewiesen werden. Die Ergebnisse der Projekte lassen die Aussage zu, dass hinsichtlich der Botulismusproblematik kein Gefährdungspotenzial von den untersuchten Biogasanlagen in Niedersachsen ausgeht und es so zu einer verbesserten mikrobiologischen Sicherheitsbewertung von Biogasanlagen kommt, so Prof. Dr. Gerhard Breves.

Von Walter Schaffer

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