„Um bezahlbaren Wohnraum kümmern“

Manuela Martin (l.) und Jeannette Pietsch arbeiten in der Seehäuser DRK-Kleiderkammer, die bei steigender Altersarmut noch stärker als bisher frequentiert werden wird. Foto: Westermann

Seehausen. Die Altersarmut wird auch nicht vor der Hansestadt Seehausen halt machen. Auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus, Kultur und Soziales am Dienstagabend befasste sich das Gremium mit dieser Thematik. Ausschussmitglied Veronika Benecke und Matthias Kühnel als sachkundiger Einwohner legten erste Gedanken dazu dar.

Benecke sprach beispielsweise mit einem Pflegedienstunternehmen. Danach war ihr klar, dass „Altersarmut in der Region fassbar ist“. Doch diese werde von den Betroffenen oftmals verdeckt. Beneckes Recherchen ergaben zudem, dass die gegenwärtige Altersgruppe zwischen 40 und 50 Jahren besonders von der künftigen Altersarmut gezeichnet sein werde.

Es gebe genügend Gründe, über Altersarmut in Deutschland zu sprechen, fügte Matthias Kühnel hinzu. Ein Blick in die Statistiken zeige, wie dringend notwendig eine öffentliche Diskussion zu dem Thema sei. Zu den Risikogruppen gehören neben Frauen, Geringverdienern und Langzeitarbeitslosen auch chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen, psychisch Kranke, Demenzkranke und die pflegenden Angehörigen, zählte Kühnel auf. Es seien Maßnahmen nötig, die auf die konkrete Situation vor Ort zugeschnitten seien und auch sozial benachteiligte und bildungsungewohnte Menschen erreiche. Dort liege die große Herausforderung für alle kommunalen Akteure vor Ort. Veronika Benecke kommt schon mit einem konkreten Vorschlag und fordert, dass sich Kommunen um altersgerechten und bezahlbaren Wohnraum kümmern. Diese Aufgabe sollte nicht Privatanbietern überlassen werden. Das Gemeinwesen müsse man neu organisieren, wenn Leute ärmer werden.

Seehausens Bürgermeister Ewald Duffe ist sich sicher, dass angesichts dieser Thematik gerade auf die karitativen Organisationen große Aufgaben und Herausforderungen zukommen. Duffe, der auch stellvertretender DRK-Kreisvorsitzender und Chef des DRK-Ortsvereins Seehausen ist, berichtete von der Umwandlung der DRK-Begegnungsstätte in der Wischestadt zu einem Mehrgenerationenhaus. Diesen Einrichtungen werde künftig größere Bedeutung zukommen. Er sprach auch den Einbau von Fahrstühlen in kommunalen Gebäuden an.

Ausschussvorsitzender Dr. Helmut Günther brachte das Leader-Programm ins Gespräch, mit dem auch altersgerechter Wohnraum geschaffen werden könne. Der Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeister gehöre zwar dem Vorstand der Leader-Aktionsgruppe an, aber andere seien cleverer und greifen die Mittel ab.

Von Thomas Westermann

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