Konzern gibt ein Signal

Bahnhofskäufer in Seehausen fühlt sich ausgebremst: „Mir sind die Hände gebunden“

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In einen Dornröschenschlaf ist das ausrangierte Schaltergebäude gefallen. Dabei soll es aber nicht länger bleiben.

Seehausen – „Der alte Bahnhof hat eine Zukunft. “ Davon ist Frank Meusling fest überzeugt. Dass es mit der ausrangierten Anlage in Seehausen seit vielen Jahren nicht richtig vorangeht, weiß er natürlich auch.

„Aber ich kann im Moment kaum etwas machen“, wirbt er im Gespräch mit der AZ um Verständnis. Von der Deutschen Bahn (DB) fehlten nach wie vor wichtige Unterlagen, sein Name könne deshalb noch nicht im Grundbuch stehen und er sei nur als neuer Eigentümer vorgemerkt. „Mir sind quasi die Hände gebunden.“

Frank Meusling, Käufer des Bahnhofs.

Meusling, der nahe Arendsee lebt, hat Gebäude und Grundstück 2016 bei einer Auktion für einen gut fünfstelligen Betrag ersteigert. Längst habe er sich Gedanken gemacht, was aus dem Gelände in der Wischestadt einmal werden könne. „Mittelfristig könnte im Gebäude die Gaststätte neu belebt werden, ein solches Angebot soll es ja in der Stadt nicht mehr allzu oft geben.“ Dazu könnten auch ein Imbiss und ein Kiosk (Späti) eingerichtet werden. Hinter dem Gebäude befinden sich die modernen Bahnsteige, Menschen kommen an und fahren ab.

Gaststätte, Imbiss und Spätverkauf sollen sich an alle wenden und nicht allein an Zugreisende. „So bekommen wir neues Leben in den Bereich und es wird nicht mehr so viel am Haus und in der Umgebung kaputtgemacht.“ Die Fenster des leer stehenden Gebäudes sind immer wieder von Zerstörungswütigen attackiert worden. Die Bausubstanz selbst sei durchaus gut. Das markante Gebäude, der Großteil mehr als ein Jahrhundert alt, gehört nach wie vor zu den Aushängeschildern der Stadt. „Es wird Schritt für Schritt vorangehen.“

Kaputtes Glas und Graffiti sind mehrmals zu finden.

Dass Seehausens Bürgermeister Detlef Neumann (UWG) im Mai in der AZ erstmals offen über einen möglichen Abriss des Bahnhofs gesprochen hat, weiß der gebürtige Nordrhein-Westfale sehr wohl. Natürlich könne die Stadt das nicht einfach so entscheiden. Meusling setzt auf ein Miteinander und glaubt, dass der Kommunalpolitiker ein Zeichen setzen wollte und vom Abriss des einstigen Konservengeländes im Zentrum beflügelt war. „Der alte Bahnhof ist ein gänzlich anderes Objekt. Der Bahnhof hat Potenzial und wird sich entwickeln, es braucht einfach noch Zeit.“

Jeder mache Fehler, das sei nur menschlich. Er habe nach der Versteigerung das Geld ein wenig später an die Bahn überwiesen, sicherlich. Doch das dürfe doch nicht zu weiteren Verzögerungen führen, hofft der Endfünfziger auf die noch fehlenden Unterlagen. Der Konzern gebe entscheidende Daten nicht an den Notar weiter und das ohne große Begründung.

Was Meusling zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte, das Unternehmen will sich bewegen. Der Knackpunkt bislang: Es fehlten laut Bahnsprecher Vermessungsunterlagen und Flurkarten, die nachträglich beschafft werden mussten. „Die Eigentumsumschreibung im Grundbuch wird aller Voraussicht nach in den nächsten drei bis fünf Monaten erfolgen; also bis Ende 2019“, teilt Jörg Bönisch auf AZ-Anfrage mit. Im Klartext: Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Licht für ein stadtgeschichtlich interessantes Objekt, das zudem unter Denkmalschutz steht.

Wobei der Bahnsprecher in Leipzig meint: „Eine komplette Abwicklungszeit von gut drei Jahren ist vor allem bei noch zu vermessenen und amtlich noch nicht von Bahnbetriebszwecken freigegebenen Bahnhofsgebäuden und -flächen ein nicht ungewöhnlicher Zeitrahmen.“ Auch hätte der Käufer bereits vor zwei Jahren mit Aufräum- und Reparaturarbeiten beginnen können. „Die Objektübergabe und der rechtliche Besitzübergang haben 2016/17 stattgefunden. Somit ist die Handlungsfreiheit weitestgehend gegeben.“ Nur um eine Immobilie wie diese beispielsweise weiterverkaufen zu können, müsse eine Eigentumsumschreibung abgewartet werden.

VON MARCO HERTZFELD 

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