Bernd Kloss möchte das Radfahren im Alltagsleben der Menschen etablieren

Fiasko mit den Fördertöpfen

Mann mit Rad
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Bernd Kloss ist leidenschaftlicher Radler und Kommunalpolitiker. Doch der Ausbau der Infrastruktur für Pedalritter in der Verbandsgemeinde Seehausen geht dem Wanzeraner viel zu langsam. Fördertöpfe greifen für die Region nicht.
  • Thomas Westermann
    vonThomas Westermann
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Wanzer. Bernd Kloss (Linke) ist ein leidenschaftlicher Radfahrer und Kommunalpolitiker. Seit etlichen Jahren engagiert sich der Wanzeraner im Verbandsgemeinderat Seehausen. Doch die ehrenamtliche Arbeit stößt an Grenzen, so klemmt es in der hiesigen Region mit der Fahrradfreundlichkeit.

Der Wahl-Altmärker hat in der AZ davon gelesen, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein milliardenschweres Förderprogramm für die Verbesserung des Radverkehrs ankündigte. Doch die Verbandsgemeinde scheint in die Fördertöpfe nicht zu passen. Das ergaben Gespräche mit Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (FW) und Wirtschaftsförderin Lisa Weigelt. Kloss nennt ein Beispiel – und zwar den Fördertopf für nachhaltige Mobilität, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. „Das ist nur etwas für die Städte, die Kriterien im ländlichen Raum funktionieren nicht“, sagt er im Gespräch mit der AZ und fügt hinzu: „Das Umsetzen der Mobilität fürs Radfahren ist eine Schnecke, das geht so etwas von langsam. Das ist frustrierend.“ Kloss hat noch ein Beispiel für die stiefmütterliche Behandlung des Radverkehrs. „In diesem Jahr soll der Radwegbau an der B 189 bei Seehausen fortgesetzt werden. Um 1,1 Kilometer soll dieser verlängert werden. Wenn wir für unsere Region jedes Jahr nur 1,1 Kilometer bekommen, dann ist das eine unendliche Geschichte.“ Der 75-Jährige möchte das Radfahren im Alltag der Menschen etablieren und will darüber in den politischen Gremien diskutieren. „Es geht nicht darum, dass eine Familie nach dem Sonntagskaffee eine Runde auf dem Rad dreht und einen Ausflug unternimmt. Das ist zwar schön, aber es geht nicht weit genug.“ Kloss fragt: „Wie werden die Kinder zur Schule gebracht?“ und liefert gleich die Antwort: „Mit dem Auto.“ Eltern sollten darüber nachdenken, dass Kinder mit dem Rad zur Schule fahren. „Das fördert die Selbstständigkeit und ist außerdem noch gesund.“ Vieles drehe sich um das Geld und Zuständigkeiten, meint der einstige Hamburger. Die Gemeinden seien das Herzstück der Demokratie, doch die hängen am Tropf. „Sie müssen besser finanziell unterstützt werden.“

Hinsichtlich der Zuständigkeiten kann Kloss auch ein Beispiel nennen. „Zwischen Krüden und Vielbaum gibt es gravierende Schäden am Radweg. Gefährliche Queraufbrüche mit Löwenzahnbewuchs. Die Gemeinde Aland hat dafür schon Haushaltsgeld eingeplant. Im letzten Jahr war Corona, jetzt stellt sich heraus, dass die Landesstraßenbaubehörde zuständig ist. Doch wie sieht das mit der Realisierung aus?“, fragt der Kommunalpolitiker, der die Strecke als sehr gefährlich einstuft. „Gerade in der Dunkelheit kann es zu Stürzen kommen.“ Die Gemeinde Aland um Bürgermeister Hans Hildebrandt hätte das Geld zur Verfügung, könne aber nicht agieren, weil der Radweg an der Landesstraße liege und deshalb der Straßenbaulastträger zuständig sei. Kloss fordert, dass der Weg zügig repariert werde.

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