„Auf meiner Seite komplett leer“

Süddeutsche sucht nach Spuren ihres altmärkischen Großvaters

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Das Zentrum mit der Petrikirche. Seehausen kann mehr als 800 Jahre Geschichte vorweisen.

Seehausen – „Es gibt so viele offene Fragen. “ Sabine Eckstein sucht in Seehausen und der Altmark nach Spuren ihres Großvaters. Die Bayerin weiß so gut wie nichts über ihn. In der Familie wurde lange Zeit nicht über das Thema gesprochen.

Altmärker Heine auf einer frühen Fotografie.

Die Mutter von vier Kindern hält eine alte Aufnahme in Händen, die über Umwege zu ihnen gelangt ist und die vermutlich ihre Großmutter Gertrud Kazcmarek mit dem Großvater bei einer Hochzeit zeigt. Er hieß Heine. Warum auf dem Foto aus den 1930er-Jahren hinter dem Vornamen Willi ein Fragezeichen geschrieben ist, kann vieles bedeuten. Eckstein, Anfang 60, möchte mehr und mehr wissen, wo ihre Wurzeln liegen und mit Gewissheit sagen können, wie diese genau aussehen.

Seehäuser Heine in Bad Schmiedeberg

Sabine Eckstein, Süddeutschland

Ihr Großvater hat in einer Molkerei in Seehausen gearbeitet, so viel scheint sicher. Ob er auch in der Alandstadt geboren wurde und dort aufwuchs, weiß die Süddeutsche schon nicht mehr. 1932/33 muss der Altmärker nach Bad Schmiedeberg bei Wittenberg gekommen sein, als Volontär oder Praktikant. „Großmutter und Großvater lernen sich kennen, verliebten sich ineinander und 1934 ist schließlich meine Mutter Sieglinde geboren worden“, erzählt die Altenpflegerin der AZ am Telefon. Eine alleinerziehende Frau habe es damals sicherlich schwerer gehabt als heutzutage.

Ecksteins Mutter Sieglinde hatte zu Lebzeiten vorsichtig nachgeforscht oder es zumindest versucht. Einen Besuch auf dem Seehäuser Friedhof vor knapp zwei Jahrzehnten habe sie aber abbrechen müssen. Die Familie hatte Anfang der 1960er-Jahre die DDR in Richtung Westen verlassen, sodass all die Jahre auch noch der Grenzzaun zwischen allem stand. Aufgrund der wenigen bekannten Daten reiste Eckstein vor einiger Zeit das erste Mal selbst nach Seehausen, schaute ins Kirchenbuch und fragte im Standesamt nach. Einen wirklichen Treffer hat die Suche nach ihrem Großvater bislang nicht ergeben. Doch locker lassen will sie nicht mehr.

Alleinerziehende vor und im Krieg

„Ich denke, das kann doch auch jeder verstehen und nachvollziehen.“ Die Süddeutsche hält einige Sekunden inne und fügt hinzu: „Wir haben eine relativ gut gefüllte Ahnentafel, nur auf meiner Seite ist ein Strang komplett leer.“ Ihr Opa verließ Mutter und Kind, warum und weshalb das Paar nicht heiratete, weiß Eckstein nicht. Etwa vier Jahre nach der Geburt der kleinen Sieglinde habe eine Frau, wahrscheinlich Heines Mutter und Ecksteins Urgroßmutter, nach dem Kind gefragt und es zu sich nehmen wollen. Warum so plötzlich und ob ihr Großvater womöglich da schon nicht mehr lebte, auch das wisse sie nicht.

Jedenfalls herrschte ab diesem Moment absolute Funkstille. Wer der Süddeutschen bei ihrer Spurensuche helfen kann und irgendeinen Hinweis auf ihren Großvater hat, melde sich bei der AZ über marco.hertzfeld@az-online.de. Die Informationen werden weitergegeben.

VON MARCO HERTZFELD

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