Umweltaktivisten bei Wanderung auf den Spuren der Archäologie

Mit der A 14 verschwindet Landwehr

Wanderer spazieren durch den Seehäuser Stadtwald
+
Zu einer Wanderung hatten Umweltschützer Interessierte durch den Seehäuser Stadtwald eingeladen.
  • Thomas Westermann
    vonThomas Westermann
    schließen

Seehausen. Natur und Kultur sind touristische Vermarktungsthemen der Landesregierung in Sachsen-Anhalt – so steht es im „Masterplan Tourismus“, der gerade auf der digitalen Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin präsentiert worden war. Zu dieser Thematik trafen sich am Sonnabend Naturfreunde und Umweltaktivisten im Seehäuser Stadtforst zu einer demonstrativen Wanderung. Initiiert wurde die Aktion von der Gruppe „Keine A 14“ und vom Verein NaturFreunde Sachsen-Anhalt.

Gesprochen wurde über das Ökosystem des Forstes sowie über eine einzigartige Landwehr, die durch den Bau der A 14 zerschnitten wird und ihren Status als Bodendenkmal verlieren könnte. Als Führer konnte Rolf Schulze gewonnen werden, ein überwiegend in Dänemark arbeitender Archäologe, der viel Wissenswertes über das uralte Kulturgut vermitteln konnte. Mit Landwehr werden Grenzmarkierungs- beziehungsweise Grenzsicherungswerke und Umfriedungen von Siedlungsgebieten bezeichnet. Sie verhinderten wirksam das Umgehen oder Umfahren der Kontroll- und Zollstellen und entstanden laut Schulze zwischen 1250 und 1550. Für die Städte waren sie finanzielle Einnahmequellen. Schulze machte darauf aufmerksam, dass es im Vorfeld des A-14-Baues archäologische Untersuchungen geben werde. Doch im Zuge der Bauarbeiten wäre das Kulturgut Landwehr nicht mehr erlebbar.

Neben den geschichtlichen Ausführungen wollten die Organisatoren der Wanderung, die von Polizei und dem kreislichen Ordnungsamt begleitet wurde, auf die Zerstörung des wischestädtischen Waldes aufmerksam machen. Rund 30 bis 40 Hektar sollen durch den A-14-Bau vernichtet werden, hieß es vor Ort.

Die Teilnehmer kamen unter anderem aus der westlichen Altmark, aus Seehausen, Osterburg und dem Dorf Drüsedau, das direkt an der noch zu bauenden Autobahn liegt. Zugegen war auch der künftige Bürgermeister der Gemeinde Zehrental, der Lindenberger Michael Seide. Wie er gegenüber der AZ sagte, lehne er den Autobahnbau ab, da der nicht mehr zeitgemäß sei. Der individuelle Verkehr gehe seit Jahren zurück und dies werde sich weiter fortsetzen. Und: „Wer weiß, wer sich in 30 Jahren noch ein Auto leisten kann.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare