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Alter Altar findet neuen Glanz

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Von: Thomas Westermann

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Restaurator in der Seehäuser St.-Petri-Kirche
Dirk Jacob, Diplom-Restaurator aus Berlin, begann in dieser Woche mit der Restaurierung des Altars in St. Petri. © Westermann

Seehausen. Das Hochaltarretabel, sprich Altaraufsatz, in der Seehäuser St.-Petri-Kirche wird restauriert. Der Berliner Diplom-Restaurator Dirk Jacob begann Anfang dieser Woche mit den umfangreichen Arbeiten. Die Idee zur Restaurierung stammt vom Verein Freunde und Förderer der St.-Petri-Kirche zu Seehausen um Vorsitzenden Dr. Walter Fiedler.

Jacob ist von den einzigartigen Holzschnitzarbeiten sehr angetan. Im Gespräch mit der AZ lobte er „die Qualität der Skulpturen“. Entstanden ist der Altar zwischen 1510 und 1520. 1868 erhielten Altar und Retabel eine neugotische Rahmung. Zu den Tätigkeiten Jacobs gehören die Reinigung und die Beseitigung von Fehlstellen, die gekittet und retuschiert werden. Als Beispiel dafür nannte er den römischen Statthalter Pontius Pilatus, der vor der Kreuzigung von Jesu seine Hände wusch, um kundzutun, dass er mit der Verurteilung nichts zu tun habe und keine Verantwortung dafür tragen wolle. Nach Jahrzehnten blättert bei dem Römer nun die Farbe ab und weist weiße Stellen an Hand, Gesicht und Hals auf, die der Experte wieder aufträgt. Es ist eine Sisyphusarbeit, die viel Sorgfalt erfordert. Der Großteil seiner Tätigkeit umfasst die Reinigung des Schnitzaltars. Dabei finden Wasser und Lösemittel Verwendung. In der nächsten Woche arbeitet Jacob in seiner Berliner Werkstatt und kann deshalb in Seehausen nicht vor Ort sein. Übernächste Woche bringt er dann eine weitere Fachkraft in die Hansestadt mit. „Wir werden dann zu zweit am Hochaltarretabel arbeiten.“ Im Sommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Einen genauen Monat nennt Jacob allerdings nicht. In seiner heimischen Werkstatt wird er auch eine Nachbildung des berühmten Werks „Das letzte Abendmahl“ des italienischen Malers Leonardo da Vinci restaurieren, die 1868 im Zuge der erwähnten neugotischen Rahmung mit eingefügt worden war.

Die Kosten für die Restaurierung und Konservierung des einzigartigen Kunstwerks belaufen sich auf etwa 42 000 Euro. Das Geld stammt von Privatspendern, aus Mitteln des Fördervereins, und stolze 20 000 Euro steuerte die Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland bei.

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