Alles rund um die Liebe

Sie genossen sichtlich den Applaus, die 13 Kunst-und Trödelmarktweiber nach ihrem Stück „Alles Liebe“ in der Seehäuser Salzkirche. Erneut betraten die Damen mit großem Erfolg, die Bretter, die die Welt bedeuten.

Seehausen. Schon lange bevor das neue Programm mit dem vielversprechenden Namen „Alles Liebe“ der Seehäuser Kunst-und Trödelmarktweiber in der Salzkirche seine Premiere erlebte, waren die Karten restlos ausverkauft.

Damit ergab sich für die 13 Frauen des Vereins eine gewisse Anspannung, um die Erwartungen ihres vorwiegend weiblichen Publikums nicht zu enttäuschen.

Doch bevor sich der symbolische Vorhang hob, galt es gut zwei Monate lang zu proben, Requisiten zu beschaffen und die passende Kleidung auszusuchen. Pünktlich um 19.30 Uhr setzten die Scheinwerfer die Bühne ins rechte Licht, und Vereinsvorsitzende Sigrid Haut begrüßte ihre „sehr verehrten Damen und Herren“ und wünschte ihnen viel Freude und Entspannung beim kommenden Programm. „Wir hätten gern mit Geigenmusik begonnen, aber in Ermangelung derer, soll ein altes technisches Gerät herhalten.“ Nach diesen Worten entfuhren ihren Lippen „O Gott, das war nicht eingeplant. Vorhin ging es noch“. War diese Äußerung eingeplant oder eine Improvisation? Auf jeden Fall ertönte dann unüberhörbar die Musik vom Chiantiwein. Schlag auf Schlag erfolgte nun unter anderem ein bunter Blumenstrauß an Gedichten von bekannten oder weniger gehörten Dichtern. Der Feder von Heinrich Heine, Erich Kästner, dem Altmeister Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig Gleim oder Joachim Ringelnatz entsprangen die literarischen Ergüsse, in denen es größtenteils um die Beziehung zwischen Frau und Mann und den damit verbundenen Problemchen ging. „Ob es das wohl gibt: Ein Mann, der so nett bleibt, so aufmerksam wie am ersten Tag, wo er einen nahm…? Einer, der Freund ist und Mann sowie Liebhaber; der uns mal neckt, mal bevatert, der immer neu ist, vor dem man Respekt hat und der einen liebt…liebt…liebt…, ob es das gibt?“ Diese Frage wurde von Kurt Tucholsky in seinem Stück „Eine Frau denkt“ aufgeworfen und an diesem Abend mit den Mitteln der Gestik, Mimik und natürlich der Sprache perfekt umgesetzt.

Mit dem weniger bekannten Märchen der Gebrüder Grimm „Die drei Schlangenblätter“ ging es in die Pause. Zur körperlichen Erbauung hatten die Frauen, die an diesem Abend noch vereinsfremde Unterstützung erhielten, ein tolles Büfett aufgebaut. Bei dem schönen Frühlingswetter zog es viele der Besucher mit ihren lukullischen Kunstwerken a la „Liebesknochen, himmlisches Vergnügen oder Liebestöter“ auf den angrenzenden Hof der Salzkirche, wo im Anschluss an die erfolgreiche Veranstaltung noch tüchtig weiter gefeiert wurde. Mit Musik der 30er Jahre vom Grammophon wurde der zweite Teil eröffnet.

Welche banalen Gewohnheiten der Männer die Frauen auf die Palme bringen können, kam unter anderem in Tucholskys „Ein Glas klingt“ ausdrucksstark auf die Bühne.

Woran zu erkennen ist, dass es Frühling wird, gab Sigrid Haut in der Zugabe als ihre „Weltpremiere“ kund. „Männer aufgepasst: Wenn die Nachtigallen trapsen, und die Frauen hüllen sich in Strapsen, dann ist Frühling.“

Von Walter Schaffer

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