Schäfer Hildebrandt leidet unter regelmäßigen Angriffen auf seine Tiere

Wolfsrisse im Raum Seehausen nehmen weiter zu

Schäfer Hildebrandt im Gespräch mit Politikern und Vertretern des Wolfskompetenzzentrums
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Klaus Hildebrandt, Dr. Marcus Faber, Andreas Berbig und Kathrin Tarricone (v.l.) tauschten sich gestern über Möglichkeiten zum Schutz von Schafen vor Wölfen aus.
  • Tobias Henke
    VonTobias Henke
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Seit 2013 werden die drei Herden von Schäfer Klaus Hildebrandt regelmäßig von Wölfen heimgesucht. Insgesamt 150 Tiere hat der Schäfer seitdem nach eigenen Angaben verloren.

Neben der Trauer über den Verlust seiner Schafe kommen auch noch bürokratische Hürden hinzu, die es schwierig bis unmöglich machen, die entstandenen Schäden geltend zu machen. Gestern gab es auf Initiative des FDP-Bundestagsmitglied Dr. Marcus Faber einen Vororttermin, bei dem auch Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (FW), Fabers Parteikollegin und Landtagsabgeordnete Kathrin Tarricone sowie zwei Vertreter des Wolfskompetenzzentrums dabei waren.

„Noch so einen Winter wie den letzten überstehen wir nicht“, machte Hildebrandt auf seine dramatische Lage aufmerksam. Als Beispiel dafür, dass er in vielen Fällen auf Teilen der Kosten sitzen bleibe, die Wölfe verursachten, nannte er die Tatsache, dass es häufig vorkäme, dass Muttertiere infolge des Stresses, den ein das Tier hetzender Wolf verursacht, ums Leben käme. „Das sind dann Totgeburten, die zählen nicht als Wolfsschaden, aber ich weiß, dass der Wolf dafür die Ursache ist“, so Hildebrandt. Die Bestimmungen sähen in diesem Fall keine Entschädigung vor, sagte Andreas Berbig, Leiter des Wolfkompetenzzentrums in Iden.

„Wenn die gesetzlichen Regelungen hier nicht helfen, müssen wir sie halt ändern“, meinte Stendals Bundestagsabgeordneter Faber, dem eine „Beweislastumkehr“ als Regelung vorschwebt, bei der man erst einmal davon ausgeht, dass der Wolf den Schaden verursacht hat und der Schäfer nicht beweisen muss, dass es zu einem Schaden gekommen ist.

Landtagsabgeordnete Tarricone, umweltpolitische Sprecherin der seit diesem Jahr wieder im Landtag vertretenen Freien Demokraten, will sich dafür einsetzen, dass auch die Anschaffungskosten für Herdenschutzhunde finanziert werden. Derzeit gibt es unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern. In Sachsen-Anhalt werden nur die Unterhaltungskosten anteilig bezahlt, erläuterte Peter Oestreich vom Wolfskompetenzzentrum.

Allein in Sachsen-Anhalt leben laut offiziellen Zahlen inzwischen 150 Wölfe, vor drei Jahren sind es laut FDP-Mann Faber nur 100 gewesen. Schäfer Heinrich ist inzwischen jedenfalls mit seinem Latein am Ende: „Ich habe teilweise das Autoradio sowie Licht und Motor die ganze Nacht lang laufen lassen, um die Wölfe abzuhalten. Das ging drei tage gut und dann gab es den nächsten Wolfsriss.“ Auch ihm ist es wichtig, zu betonen, dass der Wolf auf keinen Fall massenhaft geschossen oder gar ausgerottet werden soll. Der Schäfer wünscht sich jedoch unbürokratische Hilfe und effektive Schutzmaßnahmen.

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