Erlass des Finanzministers bringt Soforthilfe / Reaktion nach Selbstanzeige

Nach allergischem Schock von Pauline (8): 1000 Eichen werden abgesaugt

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Pauline erlitt durch die Raupen eine allergische Schockreaktion und musste ärztlich behandelt werden.

Seehausen. Ihm ist die Erleichterung anzumerken, als Seehausens Bürgermeister Rüdiger Kloth der AZ mitteilt, dass für die kostspielige Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in der Verbandsgemeinde endlich Fördermittel beantragt werden können.

Ein frisch unterschriebener Erlass des Finanzministers André Schröder (CDU) macht es möglich.

Die Verbandsgemeinde Seehausen will nun schnellstmöglich handeln und etwa 1000 Bäume von den Eichenprozessionsspinnern absaugen lassen. Etwa 100.000 Euro kostet die Maßnahme.

Nun will die Verbandsgemeinde Seehausen schnellstmöglich handeln, verspricht Kloth. Für den akuten Bedarf sollen rund 1000 Eichen in bebautem Gebiet und stark befahrenen Straßen von den lästigen Schädlingen befreit werden. Etwa 100 000 Euro werden für diese Maßnahme benötigt. Durch den Erlass des Finanzministers werden 90 Prozent dieser Summe aus dem Ausgleichstock zur Verfügung gestellt.

Rüdiger Kloth

Den Stein ins Rollen brachte nicht zuletzt Kloth selbst, als er eine Anzeige wegen „Körperverletzung im Amt“ gegen sich selbst stellte. „Ich wollte alles versucht haben“, erklärt der Verbandsgemeindechef. Obwohl das Problem schon seit über zehn Jahren besteht, war es der Fall der achtjährigen Pauline, welcher viele Menschen, darunter auch Kloth, besonders aufhorchen ließ (AZ berichtete). Das Mädchen aus Krüden erlitt kürzlich aufgrund der Schädlinge einen allergischen Schock und musste ärztlich behandelt werden.

Trotz der Erleichterung über die Soforthilfe bleibt der Seehäuser Bürgermeister auf dem Boden der Tatsachen und ruht sich nicht auf der Sofortmaßnahme aus. Denn, um die allergieauslösenden Raupen dauerhaft zu bekämpfen, bedarf es auch der entsprechenden Folgebekämpfung in den nächsten Jahren. „Wenn nicht flächendeckend gearbeitet wird, bringt das gar nichts“, kritisiert Kloth die derzeitigen Maßnahmen. Jene Gebiete, in denen es keine Bekämpfung der giftigen Raupen gebe, würden die anderen Bereiche immer wieder „anstecken“. Ein ewiger Teufelskreis, der nur durch eine flächendeckende Ausrottung durchbrochen werden könnte. Bislang konnte dem allerdings aus Kostengründen nicht nachgekommen werden. In diesem Jahr wurden in der Verbandsgemeinde Seehausen 1700 Einzelbäume vom Boden aus und 30 Hektar aus der Luft behandelt. Trotzdem sei der gewünschte Effekt ausgeblieben, das verwendete Insektizid nicht wirksam genug.

Wie Kloth mitteilt, wurde die „Interministerielle Arbeitsgruppe“ nun reaktiviert, um sich der Begutachtung und Bekämpfung der Raupen anzunehmen.

Von Laura Kühn

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